Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Lesedauer 4 Min.

BNetzA prüft strengere Regeln für den GK-Markt

Mit einem Eckpunktepapier stellt die Bundesnetzagentur tiefgreifende Eingriffe in Aussicht. Verbände sehen darin einen überfälligen Schritt und erwarten klare Vorgaben für den glasfaserbasierten Geschäftskundenmarkt.

Glasfaserinfrastruktur steht im Mittelpunkt der von der Bundesnetzagentur vorgeschlagenen Regulierungsmaßnahmen

© (Quelle: Shutterstock / Maren Winter)

Die Bundesnetzagentur hat mit dem Eckpunktepapier BK2-25-0004 eine umfassende Analyse zur Lage im Geschäftskundenmarkt vorgelegt. Die Behörde kommt darin zu dem Schluss, dass zentrale Vorleistungsbereiche nicht ausreichend reguliert sind, um nachhaltigen Wettbewerb sicherzustellen. Vor allem bei hochwertigen Glasfaseranschlüssen und gigabitfähigen Vorleistungsprodukten sieht die BNetzA strukturelle Defizite, die in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen dürften.

Dark Fiber, Gigabit-Vorleistungen und stärkere Nichtdiskriminierung

Im Mittelpunkt der Eckpunkte stehen drei Bereiche: Erstens ein verpflichtender Zugang zu unbeschalteter Glasfaser, der es alternativen Anbietern ermöglichen soll, eigene hochleistungsfähige Angebote für Geschäftskunden zu entwickeln. Zweitens die Regulierung solcher Vorleistungsprodukte, die bislang nicht unter die Entgeltaufsicht fallen – etwa bandbreitenstarke Anbindungen oberhalb von 155 Mbit/s. Drittens die Frage, wie diskriminierungsfreier Zugang zu Telekom-Infrastrukturen künftig sichergestellt werden kann. Die Behörde stellt dafür ein engeres Monitoring sowie eine Vorabprüfung von Telekom-Entgelten zur Debatte.

Der Verband VATM begrüßt diese Richtung. Geschäftsführer Frederic Ufer betont: „Die Bundesnetzagentur kommt zu der Erkenntnis, dass sich die bisherige Regulierung als unzureichend erwiesen hat, um den Markt zum Vorteil der Verbraucherinnen und Verbraucher in einen nachhaltigen Wettbewerb zu überführen.“ Mit Blick auf steigende Anforderungen im Glasfaserzeitalter brauche es „eine deutlich effektivere Regulierung“, um Vielfalt und Innovation zu ermöglichen.

Wettbewerbsdefizite und Marktdominanz als Ausgangslage

Der Geschäftskundenmarkt ist seit Jahren hoch konzentriert. Nach VATM-Analyse wird die Telekom zum Jahresende fast 70 Prozent des Marktes halten. Alternative Anbieter gelangen häufig nur über vorkonfigurierte Vorleistungen in den Markt – und stoßen bei hochwertigen B2B-Produkten auf technische oder preisliche Grenzen, wenn zentrale Vorleistungen nicht reguliert sind. Für die BNetzA ist dies ein Kernproblem: Gerade gigabitfähige Anschlüsse, Standortvernetzungen und Redundanzlösungen gelten als wachstumsstarke Bereiche, in denen fehlender Zugang Wettbewerb verhindert.

Auch der Breko erkennt den Reformbedarf, äußert aber Zweifel, dass die Maßnahmen ausreichen. Hauptstadtbüroleiter Sven Knapp verweist auf Lücken bei Bündelprodukten und Monitoringpflichten: „Wir haben Zweifel, ob die vorgeschlagenen Maßnahmen ausreichen, um langfristig faire Rahmenbedingungen für den Glasfaserausbau zu sichern.“ Zudem fordert der Verband zusätzliche Regeln, um Diskriminierung beim Inhouse-Ausbau und beim Zusammenspiel von Telekom und Immobilienwirtschaft auszuschließen.

Konsequenzen für Netzbetreiber, Systemhäuser und den Channel

Sollten die Eckpunkte in regulative Vorgaben münden, könnten sich die Marktbedingungen für Geschäftskundenanschlüsse spürbar verändern. Für Carrier und alternative Netzbetreiber würde der Zugang zu Dark Fiber und hochwertigen Vorleistungsprodukten neue Spielräume eröffnen – sowohl technologisch als auch preislich. Dies könnte erstmals ermöglichen, dass mehrere Anbieter vergleichbare GK-Produkte mit garantierten Servicelevels, Redundanzpfaden oder individuellen Bandbreitenprofilen anbieten.

Für den Channel – Systemhäuser, Fachhändler, Managed-Service-Provider – wäre dies ein relevanter Impuls. Ein wettbewerbsfähigerer Vorleistungsmarkt schafft breitere Portfolios, planbarere Preise und mehr Optionen für kundenspezifische Anbindungen. Gleichzeitig könnte eine striktere Nichtdiskriminierung mehr Transparenz bei der Versorgung von Multi-Site-Kunden schaffen, bei denen bislang häufig Telekom-Abhängigkeiten dominieren.

Die Bundesnetzagentur hat eine Konsultationsphase angekündigt, bevor konkrete Maßnahmen folgen. Dennoch ist bereits absehbar: Das Eckpunktepapier markiert eine mögliche Zäsur in der Regulierung des B2B-Marktes. Für Branchenverbände, Anbieter und Vertriebspartner wird 2026 damit ein Jahr intensiver Auseinandersetzungen um Struktur, Zugang und Wettbewerb im glasfaserbasierten Geschäftskundenmarkt.

Neueste Beiträge

TV und Internet: Vodafone verringert die Latenzzeiten im Kabelnetz
Mit dem "Jubel-Booster" will Vodafone Live-Bilder verzögerungsfreier in seinem Kabelnetz übertragen. Eine weitere Technologie ist der "Latenz-Booster", der die Reaktionszeiten bei Videokonferenzen oder beim Gaming reduzieren soll.
3 Minuten
19. Mai 2026
Telekom und 1&1 schalten die MMS Ende Juni ab
Durch die Einführung von Messaging-Diensten wie WhatsApp ist die MMS praktisch in Vergessenheit geraten. Jetzt haben nach Vodafone auch die Telekom und 1&1 angekündigt, dieses Angebot einzustellen.
2 Minuten
20. Mai 2026
TP-Link kündigt drei WiFi 7 Router für deutschen Markt an
Mit der neuen LinkBox-Serie bringt TP-Link Router für den WiFi-7-Standard nach Deutschland. Das erste der drei Modelle, die Basisvariante TP-LinkBox 7, soll im Juli verfügbar sein.
2 Minuten
19. Mai 2026
TH-Newsletter-Web-1920x1080.jpg

Die Top-News des Tages direkt aus der Redaktion

mit dem Telecom Handel Newsletter

Das könnte Sie auch interessieren

Gigaset lädt Top-Partner nach Marrakesch - Partner-Incentive
Mit einer Reise nach Marrakesch will Gigaset Professional seine erfolgreichsten Partner für ihren Einsatz im Vertrieb belohnen. Das Incentive soll zugleich den Austausch im B2B-Geschäft fördern und neue Impulse für das kommende Jahr setzen.
2 Minuten
11. Nov 2025
Konkurrenten verlieren im TK-Markt weiter Anteile an die Tekekom
In der neuen großen Studie zum deutschen TK-Markt zeigen der VATM und Dialog Consult, dass die Telekom ihre Marktanteile vor allem im Festnetzbereich und bei den Geschäftskunden weiter ausbauen kann.
4 Minuten
12. Mai 2026
Gigaset stellt den Vertrieb mit einer Doppelspitze neu auf
Nach über 30 Jahren verabschiedet sich der Vertriebschef Clemens Lapawczyk aus der operativen Verantwortung im Vertrieb von Gigaset. Damit werden beim Hersteller das Consumer- und das Professional-Geschäft personell getrennt.
2 Minuten
28. Apr 2026
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige