Vorsichtigere Endkunden bremsen IT-Investitionen im Channel
326 Unternehmen hat Compris zwischen Mai und Juli 2026 befragt, Geschäftsführer, Vertriebsleiter sowie Verantwortliche für Herstellerauswahl und Portfolio-Management. Das Ergebnis: 39 Prozent stufen die Lage als herausfordernd oder rückläufig ein, 17 Prozent sprechen sogar von einer schwierigen Situation mit starkem Rückgang. Nur 5 Prozent berichten von Wachstum. Im Vorjahresvergleich ist der Anteil stabiler Geschäftslagen von 52 auf 38 Prozent gesunken, während sich der Anteil schwieriger Lagen mehr als vervierfacht hat – von 4 auf 17 Prozent.
Betrieb und Security vor Innovation
Trotz der eingetrübten Lage bleibt der Investitionswille der Endkunden bestehen, nur eben mit anderen Prioritäten. Auf IT-Dienstleistungen wie Optimierung, Instandhaltung und Betrieb entfallen laut Umfrage 20 Prozent der aktuellen Investitionen, auf Security 19 Prozent und auf Cloud-Migration 16 Prozent. IT-Infrastruktur folgt mit 14 Prozent. Consulting und Workplace-Themen kommen jeweils nur noch auf 8 Prozent, Anwendungssoftware auf 6 Prozent. Am unteren Ende: Künstliche Intelligenz mit gerade einmal 3 Prozent der Investitionen.
Für Hersteller und Vertriebspartner bedeutet das eine veränderte Ausgangslage. Projekte werden kritischer geprüft, Budgets stärker priorisiert. Wer im Channel überzeugen will, braucht mehr als ein Innovationsversprechen. „Wer heute im Channel gewinnen will, muss zwei Dinge gleichzeitig können: verlässlich liefern und wirtschaftlich überzeugen“, bringt es Gerald Holler, Geschäftsführer von Compris, auf den Punkt.
Zwei Belastungen zugleich
Die Studienautoren verknüpfen die Ergebnisse mit einer früheren Compris-Befragung zu Komponentenengpässen aus dem Winter 2025/2026. Damals hatten 88 Prozent der befragten Systemhäuser von Lieferengpässen im Server- und Storage-Bereich berichtet, mit Folgen wie Projektverschiebungen bei 24 Prozent und längeren Sales Cycles bei 17 Prozent der Betriebe. In der Zusammenschau ergibt sich für den Channel ein Bild doppelten Drucks: Auf der einen Seite bremsen Lieferengpässe die operative Umsetzung, auf der anderen dämpft die schwächere Konjunktur die Investitionsbereitschaft der Endkunden selbst.
Die Konsequenz für IT-Dienstleister: Viele prüfen aktuell verstärkt alternative Hersteller, wobei Lieferfähigkeit und Preis-Leistungs-Verhältnis die entscheidenden Kriterien sind.