Höttges: Beim Breitband noch keine Trendwende
Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom, hat bei der Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal vor allem auf Kontinuität gesetzt. „Seit zehn Jahren gilt bei dieser Pressekonferenz der gleiche Satz: Wir wachsen“, sagte er. In Deutschland geschehe das seit 40 Quartalen, in Europa seit 35. In den ersten neun Monaten stiegen die Service-Umsätze auf 76,5 Milliarden Euro, organisch ein Plus von 4,0 Prozent. Das bereinigte EBITDA AL erreichte 35,6 Milliarden Euro (organisch plus 7,6 Prozent), das bereinigte Ergebnis je Aktie legte um 11,7 Prozent zu.
Das dritte Quartal allein fiel noch deutlicher aus. Der Konzernumsatz wuchs um 7,5 Prozent auf 31,1 Milliarden Euro, das bereinigte EBITDA AL um 9,9 Prozent auf 12,2 Milliarden Euro. Analysten hatten im Schnitt mit rund 11,97 Milliarden Euro gerechnet. Die Prognose für 2026 steigt leicht: Beim bereinigten EBITDA AL erwartet die Telekom nun rund 47,6 statt 47,5 Milliarden Euro, beim Free Cashflow AL rund 20,1 statt 20,0 Milliarden Euro. Den Aktionären will der Vorstand 1,10 Euro Dividende je Aktie vorschlagen, zehn Prozent mehr als zuletzt, dazu 2027 Aktienrückkäufe von bis zu zwei Milliarden Euro.
Das Wachstum ist amerikanisch
Wie stark die Zahlen von T-Mobile US getragen werden, zeigt der Blick auf die Segmente. Beim organischen EBITDA AL liegen die USA nach neun Monaten bei plus 9,9 Prozent, Deutschland bei 2,2, Europa bei 4,0 und T-Systems bei 4,7 Prozent. Ohne die USA wächst der Konzern beim EBITDA AL nur um 3,1 Prozent, bei den Service-Umsätzen um 2,4 Prozent. Knapp zwei Drittel des bereinigten EBITDA AL entstehen inzwischen in den USA. Die Prognoseanhebung geht allein auf das Konto von T-Mobile US, dessen Ziel um 0,1 auf 36,4 Milliarden Dollar steigt. Rechnet man mit dem Wechselkurs, den die Analysten unterstellen (1,15 Dollar je Euro), liegt die neue Konzernprognose bei rund 47,1 Milliarden Euro und damit exakt auf Analystenniveau.
Auch in den USA ist nicht alles Glanz. T-Mobile US gewann im Quartal 274.000 Postpaid-Konten, im Vorjahr waren es 396.000. Finanzvorstand Christian Illek sprach dennoch von einer „operativ sehr starken“ Entwicklung „trotz des intensiven Wettbewerbs“. Die Börse sieht das vorsichtiger: Die T-Aktie schloss Ende September bei 26,11 Euro, im Februar hatte sie noch 34,09 Euro gekostet. Der Zwischenbericht führt das auf Sorgen um die langfristige Dynamik im nordamerikanischen Geschäft zurück, geprägt von Wettbewerbsangst und möglichen Störungen durch Satellitennetze wie Starlink.
Glasfaser gegen Auslastung
Für den deutschen Markt meldet die Telekom erstmals seit Längerem wieder ein Plus bei den Breitbandanschlüssen: 11.000 im dritten Quartal, nach einem Minus von 25.000 im Vorjahr. Die Analysten hatten im Schnitt mit einem Rückgang um 10.000 gerechnet. Höttges ordnete das zurückhaltend ein: „Das ist noch keine Trendwende, aber ein wichtiger Schritt.“ Er verwies darauf, dass der Konzern das trotz neuer Wettbewerber erreicht habe.
Getragen wird die Wende von der Glasfaser. 190.000 neue FTTH-Kunden gewann die Telekom im Quartal, 22 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Auslastungsquote stieg auf 17,9 Prozent, nach 16,1 Prozent im dritten Quartal 2025. Der Bestand wuchs binnen Jahresfrist um 35 Prozent auf rund 2,6 Millionen Anschlüsse, 59 Prozent der Retail-Breitbandkunden nutzen inzwischen mindestens 100 MBit/s. Der Breitbandumsatz im Privatkundengeschäft wuchs organisch um 2,8 Prozent.
Höttges nutzte die Zahlen für einen Seitenhieb auf den Wettbewerb. „Während der Wettbewerb sich immer mehr auf die Vermarktung der bestehenden Anschlüsse konzentriert, erschließen wir neue Gebiete und erhöhen die Auslastung“, sagte er. Andere stoppten oder verlangsamten den Ausbau: „Für deren Auslastungsquote ist das gut. Für den Ausbau insgesamt nicht.“ Die Telekom baue in aller Regel ohne Vorvermarktungsquote, was die eigene Quote drücke. „Ein Grund mehr also für das Recht zum Vollausbau.“ Hier trifft die Rhetorik auf die laufende TKG-Novelle, die seit Oktober im Bundestag liegt. Der Konzern kritisiert dort vor allem die vorgesehene 24-monatige Schutzfrist für einen Glasfaserausbau durch Hauseigentümer sowie mögliche Einschränkungen bei Open Access.
Nüchterner klingen die Zahlen zum Investitionsniveau. Der Cash Capex in Deutschland lag nach neun Monaten mit knapp 3,0 Milliarden Euro um gut zehn Prozent unter Vorjahr. Die Telekom führt das auf die zeitliche Verteilung der Glasfaserinvestitionen zurück und erwartet für das Gesamtjahr einen leichten Anstieg. Auf der Wholesale-Seite sank der Umsatz mit Zugangsleistungen organisch um 1,7 Prozent, die Wholesale-Anschlüsse gingen um 3,7 Prozent zurück. Laut Zwischenbericht wechseln Endkunden zu anderen Anbietern, und Partner migrieren Kunden auf eigene Infrastrukturen.
Beim Fernsehen verschwimmen die Grenzen. Bei den anschlussgebundenen TV-Neukunden kam die Telekom auf 8.000, nach 27.000 im Vorjahr, im Streaminggeschäft gewann sie 58.000 Neukunden mit 24-Monats-Vertrag. Illek erklärte: „Die Abgrenzung zwischen OTT-Angeboten und klassischen Triple-Play-Produkten wird dabei zunehmend schwieriger.“
Mobilfunk wächst über die Menge
Im Mobilfunk gewann die Telekom 284.000 Eigenkunden mit Vertrag, 30.000 weniger als vor einem Jahr, aber klar mehr als die 223.000, die Analysten erwartet hatten. Nach Illeks Angaben trugen alle Kundensegmente bei, die Wechselrate der privaten Vertragskunden blieb mit 0,9 Prozent stabil. Der Mobilfunk-Service-Umsatz wuchs organisch um 2,9 Prozent und liegt damit über dem Zielkorridor von 2,0 bis 2,5 Prozent jährlich, den der Konzern für 2023 bis 2027 ausgegeben hat.
Der Zuwachs kommt allerdings über Menge und Nutzung, weniger über den Preis. Der Datenverbrauch der Vertragskunden stieg um 32 Prozent auf 24,6 Gigabyte im Monat, der Vertrags-ARPU lag mit 19 Euro um 1,1 Prozent unter Vorjahr. Die Gesamtzahl der Mobilfunkkunden wuchs um 8,1 Prozent auf 78,7 Millionen, doch das liegt vor allem am Prepaid-Bestand (plus 10,7 Prozent), den der Bericht auf M2M-Karten aus der Autoindustrie zurückführt. Für den Handel interessant: Die Non-Service-Umsätze in Deutschland, zu denen die Endgeräte zählen, stiegen im Quartal um 20,4 Prozent auf 901 Millionen Euro. Neben höheren Endgeräteumsätzen nennt die Telekom die Fußball-WM als Treiber. Der Privatkundenumsatz wuchs um 9,1 Prozent.
Geschäftskunden treten auf der Stelle
Anders sieht es im Geschäftskundenbereich aus. Der Umsatz lag im Quartal mit 2,13 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau (plus 0,1 Prozent), nach neun Monaten steht ein leichtes Minus von 0,1 Prozent. Die Mobilfunkumsätze mit Firmenkunden lagen unter dem Vorjahr, ausgeglichen wurde das laut Zwischenbericht durch eine abweichende Saisonalisierung im projektgetriebenen IT-Systemgeschäft. Der Vergleich ist zudem verzerrt: Zum 1. Januar 2026 wurde ein Geschäftsbereich von Deutschland zu T-Systems verschoben, die Vorjahreswerte wurden nicht angepasst. Wie groß dieser Effekt ist, beziffert die Telekom in den vorliegenden Unterlagen nicht.
T-Systems selbst wächst deutlich. Der Umsatz stieg um 6,5 Prozent auf 1,08 Milliarden Euro, der Auftragseingang im dritten Quartal lag bei 883 Millionen Euro, nach 689 Millionen im Vorjahr. Höttges sprach von einem Quartal mit „fast 900 Millionen“ Euro Auftragseingang. Zugleich meldete er für die Münchner KI-Fabrik, die im Februar eröffnet wurde: „Heute sind wir ausverkauft und müssen aufstocken.“ Bis 2030 will die Telekom außerhalb der USA mehr als eine Milliarde Euro zusätzlichen Umsatz mit KI-Anwendungen erzielen.
KI soll den Kundenkontakt übernehmen
Nach innen verspricht sich der Konzern von KI vor allem Effizienz. „Bei etwa jedem zweiten Anrufer löst sie das Anliegen komplett eigenständig“, sagte Höttges über den Einsatz im Service. Für 2030 hat sich die Telekom vorgenommen, dass außerhalb der USA jeder Anruf zunächst von einer KI angenommen wird, Anrufe und Chats sollen gegenüber 2023 um 50 bis 55 Prozent sinken. Bis zu 70 Prozent der Vertragsverlängerungen und Tarifwechsel sollen digital ablaufen. Die Bruttoeinsparungen durch KI und Automatisierung beziffert der Konzern auf rund 1,1 Milliarden Euro bis 2027 und rund 2,5 Milliarden Euro bis 2030.
Welche Rolle der Fachhandel bei Verlängerungen und Tarifwechseln künftig spielt, geht aus den Unterlagen nicht hervor. Dass Retention und Tarifwechsel zu den Kernzielen der digitalen Kanäle gehören, dürfte für Partner dennoch eine Frage wert sein.
Satelliten als neue Unbekannte
Ein Thema, das in Höttges’ Rede keine Rolle spielte, beschäftigt den Zwischenbericht umso mehr: die Satelliten. Spätestens Anfang 2028 will die Telekom gemeinsam mit Starlink Direct-to-Device-Dienste in mehreren europäischen Märkten anbieten. In den USA gründeten T-Mobile US, AT&T und Verizon im September ein Joint Venture für Satellitenabdeckung in abgelegenen Regionen. Im Oktober vereinbarte SpaceX den Kauf des 800-MHz-Spektrums von Grain, das T-Mobile US erst im August für 2,5 Milliarden Euro Barzahlung und 600-MHz-Lizenzen an Grain abgegeben hatte. Unter bestimmten Voraussetzungen erhält T-Mobile US einen Anteil an Gewinnen aus solchen Weiterverkäufen. Ende Oktober unterzeichneten die Telekom, Orange, Telefónica und Vodafone zudem eine Absichtserklärung, gemeinsam eine Bewerbung um europäische 2-GHz-Satellitenfrequenzen zu prüfen. Derzeit dienen Satellitenangebote laut Bericht noch als Ergänzung zu den terrestrischen Netzen, langfristig könnten sie die Wettbewerbsstrukturen aber verändern.
Ausblick und Vorstand
Für Deutschland rechnet die Telekom im vierten Quartal mit stärkerem Wachstum. Das EBITDA AL lag im dritten Quartal mit 2,77 Milliarden Euro (plus 1,5 Prozent) knapp unter dem Analystenschnitt von rund 2,79 Milliarden Euro, was Illek mit einem erwarteten Kostenphasing erklärte. Personell stehen Wechsel an: Jan Hofmeyr verantwortet seit 1. November das Vorstandsressort Produkt und Technologie, das Illek seit April übergangsweise geführt hatte. Illek scheidet zum 30. April 2027 aus, ihm folgt als Finanzvorstand Dhananjay Mirchandani. Höttges schloss mit einem Ausblick: „Ich bin mit dem dritten Quartal genauso zufrieden wie mit der Sicherheit, dass wir das Jahr 2026 erneut mit einem Rekordergebnis abschließen werden.“