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Lesedauer 3 Min.

O’zapft is: Die Wiesn rüstet sich für den Datenrausch

Auf der Wiesn wird längst nicht nur Bier in Strömen ausgeschenkt. Auch die Netze von Telekom und Vodafone bereiten sich auf Höchstlast vor. Millionen Besucher wollen Selfies, Videos und Fußball-Streams teilen und erwarten stabiles Netz zwischen Maßkrug und Hendl.

Speedtest auf der Theresienwiese: Das Wiesn-Netz der Telekom erreicht über 1 Gbit/s

© (Quelle: Telekom)

Das Oktoberfest ist nicht nur das größte Volksfest der Welt, sondern auch eine Art olympischer Belastungstest für die Mobilfunknetze. Wenn mehr als sechs Millionen Besucher binnen zwei Wochen auf die Theresienwiese strömen, dazu noch aus aller Herren Länder, dann reicht die normale Netzversorgung schon lange nicht mehr. Hier geht es um Gigabit-Kapazitäten pro Zelle, temporäre Masten und Datenrekorde, die schneller fallen als Maßkrüge.

Die Telekom hat in diesem Jahr erstmals drei Festzelte direkt mit Glasfaser angebunden. Was nach Luxus klingt, ist in Wahrheit ein notwendiger Schritt: Schon jetzt wickeln Wirte und Schausteller Kartenzahlungen, Bestellungen oder ganze Kassen- und Abrechnungssysteme digital ab. Kupferleitungen stoßen da schnell an Grenzen, und so hält das Glasfaserkabel Einzug auch in die Welt der Blasmusik und Brezn.

Unterirdisch zieht sich ohnehin ein 23 Kilometer langes Kabelnetz durch die Wiese, das jedes Jahr aufs Neue beschaltet werden muss. Über 200 Schausteller und Wirte hängen an den Anschlüssen. Und wenn doch mal ein Stecker klemmt, sitzt während der gesamten Festtage ein eigenes Technikteam der Telekom parat, sozusagen der Notdienst für Daten statt Durst.

Mobilfunk im Ausnahmezustand

Noch spannender wird es im Äther. Die Telekom hat ihre Basisstationen modernisiert: neue Basebands, neue Antennen, zusätzliche Frequenzen. Das Ergebnis: Jede Zelle schafft jetzt 1 Gbit/s – genug, um eine mittelgroße Stadt zu versorgen. Und das, ohne neue Standorte aufzubauen, sondern mit kompakterer Technik, die weniger Platz braucht und weniger Abwärme produziert. Mehr Effizienz, kleinerer ökologischer Fußabdruck – auch das kann man im Bierzelt erwähnen, wenn einem sonst nichts mehr einfällt.

Tanja Richter ist als Geschäftsführerin Technik die Netz-Chefin von Vodafone Deutschland

© Quelle: Vodafone

Vodafone hält dagegen: 24 Mobilfunk-Anlagen mit insgesamt 108 Antennen sind im Einsatz. Die Netz-Chefin Tanja Richter spricht schon vor dem Anstich von einem erwarteten neuen Rekord: „Weit über 200 Terabyte“ Daten sollen durch die Luft gehen – das entspricht dem Inhalt von rund 45.000 DVDs.

Daten-Durst ohne Ende

Wie groß der Datenhunger ist, zeigen die Zahlen vom Vorjahr: Bei der Telekom flossen 266.000 Gigabyte durchs Netz, Vodafone kam auf 185 Terabyte und O2 sogar auf über 212 Terabyte. Hochgerechnet: Während das Bier in Litern gezählt wird, addieren sich die Daten inzwischen in Hunderttausenden Gigabyte. Und der Durst steigt weiter.

Dabei sind es längst nicht nur Selfies in Dirndl und Lederhose, die das Netz belasten. Fußball-Streams sorgen regelmäßig für Spitzen. Als der FC Bayern im vergangenen Jahr gegen Leverkusen und Frankfurt spielte, quoll das Wiesn-Netz über wie ein Maßkrug nach zu großzügigem Anstich – und blieb trotzdem stabil.

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