Steuerfahnder führen Razzia bei Herweck durch
Noch vergangenen Freitag präsentierte sich Herweck auf der eigenen Hausmesse Perspectives in St. Ingbert in guter Verfassung: zweistelliges Umsatzplus, wachsende Vertragszahlen, neue Produkte. Nur wenig später folgte nun eine Meldung anderer Art.
Die Herweck AG bestätigt, dass an ihren Unternehmensstandorten behördliche Durchsuchungen im Rahmen eines steuerrechtlichen Ermittlungsverfahrens stattgefunden haben. Hintergrund sind Vorwürfe im Zusammenhang mit mutmaßlichen Umsatzsteuerbetrugssystemen bei einzelnen Geschäftspartnern. Die Ermittlungen richten sich laut Unternehmensangaben nicht gegen Herweck selbst, sondern gegen Vorgänge aus der Vergangenheit, die einzelne Geschäftsbeziehungen betreffen. Zur Sicherung entsprechender Unterlagen wurden die Räumlichkeiten durchsucht.
Herweck betont, die Ermittlungen kooperativ zu begleiten und die zugrundeliegenden Sachverhalte intensiv zu prüfen. Der operative Geschäftsbetrieb laufe uneingeschränkt weiter. Weitere inhaltliche Angaben seien aufgrund des laufenden Verfahrens nicht möglich.
Kein Einzelfall in der Branche
Das Thema Umsatzsteuerbetrug ist in der Distributionsbranche kein neues. Erst im vergangenen Jahr berichtete Telecom Handel über den Fall Hotphone: Nach einer groß angelegten Aktion der Europäischen Staatsanwaltschaft wurde der Geschäftsbetrieb eingestellt. Die EPPO hatte im Juni 2025 rund 90 Objekte in fünf Ländern durchsucht und vier Personen festgenommen. Im Verdacht stand ein europaweites Umsatzsteuerkarussell im Handel mit Smartphones und Elektronik. Der geschätzte Schaden belief sich auf über 100 Millionen Euro.
Ob und inwieweit die aktuellen Ermittlungen gegen Herweck-Geschäftspartner mit diesem oder einem anderen Verfahren zusammenhängen, ist nicht bekannt.