Fast alle Online-Shops mit Betrugsversuchen konfrontiert
Betrug bleibt für den deutschen Online-Handel ein erhebliches Problem. 93 Prozent der Online-Shops wurden bereits mit Betrug oder Betrugsversuchen konfrontiert. Bei fast jedem zweiten Händler hat sich die Situation zuletzt weiter verschärft: 48 Prozent der befragten E-Commerce-Unternehmen berichten für die vergangenen zwölf Monate von einem gestiegenen Betrugsaufkommen.
Das geht aus der aktuellen Umfrage „Betrug im E-Commerce“ des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh) und des Informationsdienstleisters CRIF hervor. An der Erhebung beteiligten sich knapp 80 Online-Shops aus Deutschland.
Bei 37 Prozent der Unternehmen blieb die Zahl der Betrugsfälle auf einem bereits hohen Niveau weitgehend stabil. Lediglich 15 Prozent registrierten einen Rückgang. 35 Prozent der Befragten sprechen von einem starken und weitere 13 Prozent von einem sehr starken Anstieg der Betrugsaktivitäten.
Identitätsbetrug ist besonders verbreitet
Die größte Herausforderung für Online-Händler bleiben Betrugsformen rund um die Identität von Kunden. Drei Viertel der Befragten nennen Identitätsbetrug als häufigste Betrugsform. Bei 67 Prozent der Händler wurden Namens- und Adressdaten manipuliert, 55 Prozent waren mit vollständig falschen Identitäten konfrontiert.
Sechs von zehn Unternehmen berichten zudem von Fällen, bei denen Kunden den Erhalt einer Ware abstreiten. 57 Prozent waren bereits von sogenanntem Eingehungsbetrug betroffen. Dabei bestellen Kunden Waren, obwohl sie bereits wissen, dass sie die Rechnung nicht bezahlen können oder wollen.
Auch die Übernahme bestehender Kundenkonten spielt eine große Rolle. 56 Prozent der Shops nennen Account-Takeover als häufige Betrugsform. Dabei verschaffen sich Täter Zugang zum Kundenkonto einer anderen Person und bestellen darüber Waren. Bei 40 Prozent der Händler kam es zu Betrugsfällen mit gestohlenen Zahlungsdaten, etwa Kreditkartendaten.
Zunehmend relevant sind außerdem betrügerische Retouren. 47 Prozent der Händler berichten von Return Fraud, bei dem beispielsweise leere Pakete zurückgeschickt werden. 42 Prozent sind mit Switch Fraud konfrontiert, bei dem Kunden andere Artikel als die ursprünglich bestellten zurücksenden.
Der CRIF-Geschäftsführer Frank Schlein erwartet, dass Künstliche Intelligenz die Situation weiter verschärfen könnte. Neben synthetischen Identitäten sieht er auch durch Agentic Commerce neue Risiken. Wenn KI-Agenten zunehmend selbstständig Kaufentscheidungen treffen und Transaktionen im Auftrag von Verbrauchern ausführen, steigen demnach auch die Anforderungen an Identitäts- und Vertrauensprüfungen.
Der Handel bezahlt die Schäden
Die finanziellen Folgen können für Händler beträchtlich sein. 25 Prozent der befragten Unternehmen beziffern ihre jährlichen Betrugsverluste auf weniger als 5.000 Euro. 45 Prozent melden Schäden zwischen 10.001 und 100.000 Euro. Bei 15 Prozent – und damit etwa jedem siebten Unternehmen – summieren sich die Verluste auf mehr als 100.000 Euro pro Jahr.
Auch einzelne betrügerische Bestellungen können hohe Schäden verursachen. Knapp ein Drittel der Händler (32 Prozent) hatte bereits einen Einzelschaden von mehr als 2.500 Euro. Weitere 18 Prozent berichten von Verlusten zwischen 1.001 und 2.500 Euro bei einer einzelnen Bestellung.
Entsprechend investieren viele Händler in Gegenmaßnahmen. 75 Prozent der befragten Unternehmen setzen bereits Lösungen oder Verfahren zur Betrugserkennung ein, weitere neun Prozent planen entsprechende Investitionen. Dabei dominiert die Kombination aus automatisierten Verfahren und manueller Kontrolle. Von den Unternehmen, die Betrugsprävention betreiben, setzen 93 Prozent beide Ansätze parallel ein.
Als größte Herausforderung nennen jeweils 69 Prozent der Befragten die Auswahl risiko- und kundengerechter Präventionsmaßnahmen sowie das Erkennen neuer Betrugsmuster. 53 Prozent sehen zudem die Reduzierung des manuellen Prüfungsaufwands als wichtige Aufgabe.
Der bevh weist darauf hin, dass Betrugsfälle gemessen am gesamten Zahlungsverkehr zwar nur einen sehr kleinen Anteil ausmachen. Gleichzeitig würden die Schäden bei erfolgreichen Betrugsfällen größer. Eine stärkere Nutzung von Daten könne dabei helfen, vertrauenswürdige von betrügerischen Transaktionen zu unterscheiden und neue Betrugsmuster früher zu erkennen.