KI im Verkaufsgespräch: Der unsichtbare Dritte
Ein Kunde steht im Telekommunikationsshop und möchte seinen Vertrag verlängern. Er spricht über steigende Kosten, ein defektes Smartphone und den Wunsch nach mehr Datenvolumen. Während des Gesprächs prüft im Hintergrund ein KI-System die Laufzeit, analysiert das Nutzungsverhalten, gleicht aktuelle Aktionen ab und berechnet Upgrade-Optionen. Noch bevor der Verkäufer mehrere Masken geöffnet hat, erscheinen auf seinem Tablet konkrete Vorschläge: Tarifwechsel, Geräte-Bundle, Eintauschprämie, passende Zusatzoptionen.
Was hier wie ein Zukunftsszenario klingt, wird inzwischen konkret erprobt. Auf dem Mobile World Congress in Barcelona zeigen Anbieter erste Lösungen, die Verkaufsgespräche im Laden in Echtzeit auswerten. Unternehmen wie SoundHound AI demonstrieren Systeme, die als sprachbasierte Assistenz im Hintergrund mitlaufen und dem Verkaufspersonal Hinweise geben. Ein Manager des Unternehmens formuliert es so: „Der Sales Assist-Agent zeigt, wie agentische KI den Einzelhandel in Echtzeit verändern kann.“
Der Ansatz ist klar: Nicht der Kunde spricht mit der KI, sondern die KI unterstützt den Verkäufer. Sie greift auf CRM-, Abrechnungs- und Produktdaten zu, koordiniert mehrere Systeme im Hintergrund und liefert kontextbezogene Empfehlungen direkt ins Gespräch.
Effizienzversprechen im Filialalltag
Der Gedanke dahinter ist nachvollziehbar. Tarifmodelle werden komplexer, Aktionsmechaniken wechseln häufig, Margen stehen unter Druck. Gleichzeitig kämpfen viele Shop-Organisationen mit Personalfluktuation und langen Einarbeitungszeiten. Ein datengetriebener „Verkaufscoach“ könnte hier Prozesse vereinheitlichen und Beratungsqualität stabilisieren.
Aus Herstellersicht liegt der Fokus auf Tempo und Struktur. „Wir versorgen das Verkaufspersonal in Echtzeit mit KI-gestützten Informationshinweisen“, heißt es bei SoundHound. Kunden müssten nicht mehr warten, während Mitarbeiter „sich in mehrere Systeme einloggen oder Upgrade-Optionen manuell berechnen“.
Gerade in größeren Filialnetzen oder Partnershop-Strukturen ließe sich Beratung damit standardisieren und regelkonform dokumentieren. Auch Cross-Selling-Potenziale könnten systematischer erschlossen werden. Wenn ein Kunde etwa ein beschädigtes Gerät erwähnt, prüft das System automatisch Upgrade-Berechtigung, Vertragsstatus und laufende Aktionen und schlägt passende Szenarien vor.
Datenschutz als zentrale Hürde
Doch genau an diesem Punkt beginnt die Debatte. Wenn KI im Hintergrund ein Gespräch analysiert, stellt sich die Frage nach Transparenz und Einwilligung. Nach europäischem Datenschutzrecht ist die Verarbeitung von Sprachdaten kein Nebenaspekt. Kunden müssten informiert werden, dass ihr Gespräch technisch ausgewertet wird – selbst wenn keine dauerhafte Speicherung erfolgt.