Wie KI Kaufentscheidungen verschiebt
Künstliche Intelligenz wird für viele Verbraucher zum festen Bestandteil der Informationssuche vor dem Kauf. Das zeigt eine repräsentative YouGov-Umfrage unter 2.002 Verbraucherinnen und Verbrauchern in Deutschland, die im Januar 2026 im Auftrag der GFU Consumer & Home Electronics GmbH durchgeführt wurde.
Demnach nutzen 69 Prozent generative KI-Modelle zur Informationsbeschaffung. Rund ein Viertel (24 Prozent) setzt digitale Assistenten bereits konkret bei Produktrecherche oder Kaufberatung ein – bei den über 55-Jährigen sind es sogar 29 Prozent.
Besonders deutlich wird die Rolle von KI im Vorfeld einer Kaufentscheidung. Von denjenigen, die KI-Tools einsetzen, nutzen 70 Prozent diese vor allem für Informations- und Produktempfehlungen. 64 Prozent vergleichen Preise mithilfe von KI-Systemen, 45 Prozent analysieren Bewertungen.
Interessant ist der Blick nach vorn: 74 Prozent der KI-Nutzer können sich vorstellen, generative Modelle künftig verstärkt für Preisvergleiche und Angebotsprüfungen einzusetzen. Auch die Analyse von Bewertungen gewinnt an Bedeutung (56 Prozent). Die reine Informationssuche tritt laut Studie perspektivisch etwas in den Hintergrund.
Damit verschiebt sich die Funktion der KI vom reinen Recherchewerkzeug hin zu einem aktiven Filter- und Bewertungsinstrument. KI wird nicht nur zur Antwortmaschine, sondern zunehmend zum strukturierten Einkaufsberater.
Technikaffine Zielgruppe mit hoher Kaufneigung
Die Untersuchung zeigt zudem, dass KI-Nutzer besonders häufig IT- und Telekommunikationsprodukte online erwerben. 70 Prozent kaufen Laptops, Tablets oder PCs im Netz, 65 Prozent Smartphones und TK-Geräte. Haushaltskleingeräte folgen mit 64 Prozent.
Für den Handel ist das ein relevanter Befund. Die Zielgruppe, die KI als Einkaufshelfer nutzt, ist überdurchschnittlich technikaffin und kaufaktiv. Gleichzeitig verschiebt sich die Entscheidungsfindung stärker in digitale Vorfelder. Empfehlungen, Preisvergleiche und Bewertungsanalysen entstehen zunehmend außerhalb klassischer Shop-Umgebungen.
Zwischen Effizienzgewinn und Vertrauensfrage
Die Mehrheit der KI-Nutzer blickt optimistisch auf die Technologie. 88 Prozent gehen davon aus, dass generative KI künftig selbstverständlich zum Alltag gehören wird. 63 Prozent sehen mehr Chancen als Risiken, 62 Prozent erwarten eine Verbesserung der Lebensqualität.
Gleichzeitig bleibt Skepsis bestehen. 72 Prozent sorgen sich vor Fehlinformationen durch KI, 80 Prozent fordern eine intensivere gesellschaftliche Diskussion über den Umgang mit der Technologie. Fast jeder Zweite der heutigen Nutzer würde das Wegfallen von KI-Assistenten als Verlust empfinden.
Die Ergebnisse zeigen damit ein ambivalentes Bild: KI wird als hilfreiches Instrument akzeptiert, Vertrauen und Transparenz bleiben jedoch zentrale Themen.
Konsequenzen für Handel und Marken
Für Handel und Hersteller ergibt sich daraus eine strukturelle Herausforderung. Wenn KI-Systeme zunehmend Preisvergleiche, Produktempfehlungen und Bewertungen filtern, verlagert sich der Wettbewerb um Sichtbarkeit. Produktinformationen müssen nicht nur für Menschen verständlich, sondern auch für KI-Modelle auswertbar und korrekt strukturiert sein.
Digitale Assistenten fungieren damit als neue Intermediäre zwischen Marke und Kunde. Wer in deren Ausgaben nicht auftaucht oder falsch kategorisiert wird, verliert potenziell Reichweite. Gleichzeitig steigt die Bedeutung konsistenter Daten, transparenter Produktinformationen und klarer Angebotskommunikation.
Die Studie macht deutlich: KI ersetzt den Kaufentschluss nicht. Sie beeinflusst jedoch zunehmend die Informationsbasis, auf der Entscheidungen getroffen werden. Für den Handel bedeutet das, sich mit der Rolle digitaler Assistenzsysteme im Kaufprozess strategisch auseinanderzusetzen – nicht als kurzfristigen Trend, sondern als dauerhafte Veränderung der Customer Journey.