Interview 26.03.2020, 10:31 Uhr

Systemhaus ComTel: „Die Nachfrage explodiert“

Holger Bachert ist Geschäftsführer des ComTel Systemhauses in Waghäusel-Wiesental. Im Interview erzählt er, wie sich die Corona-Pandemie auf sein Geschäft auswirkt - und wie er selbst mit der Krise umgeht.
Holger Bachert, Geschäftsführer des ComTel Systemhauses in Waghäusel-Wiesental
(Quelle: ComTel )
Viele Unternehmen versuchen vor dem Hintergrund der Corona-Krise, Mitarbeiter mit Collaboration-Tools für das Home Office auszustatten. Holger Bachert, Geschäftsführer des ComTel Systemhauses in Waghäusel-Wiesental, erzählt im Interview, was das für sein Geschäft bedeutet - und wie er selbst mit der Krise umgeht.
Telecom Handel: Sind Sie denn noch im Büro, oder machen Sie schon Home Office?
Holger Bachert: Ich bin mit weiteren sechs Personen noch im Büro, die im ganzen Gebäude auf rund 1.000 Quadratmetern verteilt arbeiten. Wir haben auch zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen getroffen, waschen uns jede halbe Stunde die Hände und haben auch Desinfektionsmittel aufgestellt. Natürlich sind meine Mitarbeiter besorgt, vor allem um Angehörige, die gefährdet sein könnten. An einem anderen Standort haben wir zudem auch schon einen Quarantänefall. Die meisten Mitarbeiter sind aber jetzt schon im Home Office, viele unsere Dienstleistungen können wir ja auch remote anbieten. 
Stellen Sie denn eine stärkere Nachfrage nach Videokonferenzen oder Collaboration-Tools allgemein fest?
Bachert: Bei uns überschlagen sich die Anfragen danach, vor allem online. Alle Kunden, die bislang wenig oder gar nichts in diese Tools investiert haben, wollen nun ganz schnell Collaboration-Funktionen für ihre Mitarbeiter bereitstellen. Andere Kunden, bei denen letztlich vielleicht nur eine Lizenzerweiterung für ihre bestehenden Anlagen benötigen, haben es deutlich einfacher. Doch wir haben auch einige Behörden unter unseren Kunden, um nur ein Beispiel zu nennen, die mit dieser Situation vollkommen überfordert sind. 
Bieten Sie Kunden, die kaum Erfahrung mit Collaboration-Tools haben, auch Online-Trainings an?
Bachert: Wir bieten individuell für unsere Kunden die passende Dienstleistung an, dies reicht von einer angepassten Beratung über ein individuelles Training zur Nutzung der Collaboration- oder Video Lösung bis hin zur Einrichtung speziell auf die Kundenbedürfnisse.
Sind Sie dem Ansturm der Kunden denn personell gewachsen?
Bachert: Wir müssen uns einfach neu organisieren. Einige Projekte, vor allem im Healthcare-Bereich, sind jetzt natürlich verschoben worden. Mitarbeiter, die wir flexibel einsetzen können, haben wir jetzt beispielsweise in die Hotline integriert oder in den technischen Service online. Kunden fragen derzeit ja nicht nach Angeboten oder Kosten, sie wollen einfach zeitnah eine Lösung – am besten innerhalb von einer Stunde. Der Ansturm ist wirklich massiv, mein Team arbeitet derzeit in mehreren Schichten.
Aktuell ist die Auftragslage bei Ihnen offensichtlich gut, doch welche Entwicklungen erwarten Sie mittelfristig?
Bachert: Das ist vielschichtig, durch die Corona-Pandemie wächst natürlich das Interesse der Kunden an digitalen Arbeitsplätzen. Viele haben erkannt, dass sie in der Lage sein müssen, kurzfristig auf Home-Office-Arbeitsplätze umsteigen zu können. Deshalb gehe ich davon aus, dass die Aufträge im Collaboration-Umfeld in der nächsten Zeit zunehmen werden. Wie viele unserer Kunden Corona und die wirtschaftlichen Folgen überleben werden, das ist noch vollkommen offen. 
Haben Sie denn auch schon Vorsorge getroffen?
Bachert: Wir haben – wie die meisten anderen auch – Kurzarbeit beantragt und warten noch auf die Zusage. Wenn irgend möglich, möchten wir aber keine Kurzarbeit einsetzen.
Momentan ist dazu ja auch keine Not …
Bachert: Noch nicht, doch das kann kommen. Wir haben Kunden, bei denen unsere Mitarbeiter vor Ort arbeiten. Wenn die ihr Unternehmen schließen, wie es derzeit ja einige Automobilhersteller machen, dann können wir diese Mitarbeiter nur bedingt woanders einsetzen. Die machen zum Teil Aufgaben, die wirklich nur für diesen Kunden entwickelt wurden. In der Hotline beispielsweise könnten wir sie deshalb nicht beschäftigen. Es kann aber auch sein, dass wir einen Teil des Innendienstes in Kurzarbeit schicken müssten – weil die Arbeit dort natürlich weniger wird.
Für die betroffenen Mitarbeiter ist das natürlich bitter, schließlich heißt Kurzarbeit immer auch weniger Einkommen …
Bachert: Schon einige unserer Mitarbeiter kamen diese Woche auf mich zu und sagten, das könne sie finanziell in Bedrängnis bringen, vor allem wenn sie beispielsweise vergleichsweise hohe Mieten zahlen oder aber Kredite für Investitionen wie ein Auto abbezahlen müssen. Da kann es schon mal knapp werden.
Gibt es denn Möglichkeiten, diesen Mitarbeitern zu helfen?
Bachert: Schon, wir bieten zum Beispiel Mitarbeiterkredite an, die wir über die Firma oder auch privat finanzieren. Vor allem, wenn es um kleinere Beträge wie beispielsweise 2.000 oder 5.000 Euro geht. Doch auch unsere Mittel sind begrenzt.
Haben Sie denn schon mit Ihren Banken über Kredite, auch über die KfW, gesprochen?
Bachert: Natürlich haben wir bei allen angefragt, doch zum Teil wissen diese selbst noch nichts oder nur wenig. Wir warten eigentlich immer noch auf deren Antworten und auch Vorschläge, was alles möglich ist. Alles nur über Kredite aufzufangen, erscheint mir zu wenig, da ist auch die Politik noch viel mehr gefordert, denn ein Kredit hilft bei der Liquidität aber nicht den Umsatzausfall aufzufangen.
Viele Hersteller haben derzeit ja Kampagnen, um Kunden oder auch Bildungseinrichtungen mit kostenlosen oder reduzierten Angeboten zu unterstützen. Hilft das?
Bachert: Einige dieser Angebote werden direkt adressiert, und so mancher Hersteller scheint uns Reseller bei diesen Kampagnen auch vergessen zu haben (lacht). Doch das wird sich im Laufe der nächsten Tage sicherlich ändern. Ich würde mir aber auch wünschen, dass die Hersteller für Zeiten der Kurzarbeit ihr Schulungsangebot erweitern und die Trainings auch zu günstigeren Konditionen anbieten. Dann könnten wir in der Zeit unsere Mitarbeiter weiter qualifizieren. 
Kommen denn nun auch Kunden auf Sie zu, weil sie ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen können?
Bachert: Auch das kommt seit einigen Tagen vermehrt vor, viele Unternehmen – etwa im Gastrobereich – haben jetzt ja keine Einnahmen mehr. Bei manchen Kunden bieten wir eine Stundung an, wenn sie auf uns zukommen und gemeinsam mit uns nach einer Lösung suchen wollen. Wenn ein Kunde aber einfach nur anruft und ankündigt, er zahlt die Rechnungen nicht, dann geht der Fall in den ganz normalen Mahnlauf.



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