Smartphone-Prozessoren 24.11.2014, 16:35 Uhr

Mediatek rollt den Chipset-Markt auf

Mediatek bestückt die Smartphones kleinerer Anbieter mit preiswerten Chipsets - und verändert damit den Markt.
Welches Chipset genau in ihrem Gerät steckt, ist den meisten Smartphone-Besitzern wohl egal: Hauptsache es ist „mindestens ein Quadcore-Prozessor“, damit die Leistung stimmt. Apple zum Beispiel veröffentlicht noch nicht einmal die Taktung oder die Zahl der Kerne seiner iPhone-Prozessoren.
Im Gegensatz zu Personal Computern, wo vor allem Spiele in der Vergangenheit den Rechenkernen Höchstleistungen abverlangt haben, nutzt die Mehrzahl der Smartphones das vorhandene Potenzial ihrer Chipsets ohnehin noch kaum aus.
Doch für den Konsumenten weitgehend unsichtbar ist der Markt für Smartphone-Chipsets aktuell hart umkämpft: Den Marktführer Qualcomm aus den USA mit seiner Snapdragon-Familie verfolgt Me­dia­tek aus Taiwan. Zu den weiteren Playern gehören Nvidia, TI sowie Hardware-Hersteller wie Samsung und Huawei mit den eigenen Chip-Abteilungen.
Wie schwierig das Geschäft ist, zeigt sich daran, dass der Marktführer bei PC-Chips, Intel, seit Jahren vergeblich versucht, im mobilen Bereich Fuß zu fassen. Vor allem der Herausforderer Mediatek, der für dieses Jahr 30 Prozent Marktanteil anstrebt, greift jetzt den Markt mit günstigen Chipsets an, die auch ganz neue Hersteller von Smartphones­ beflügeln, was eine nachhaltige Marktveränderung mit sich bringen könnte.

Smartphones aus Indien

Zu diesen Aufsteigern gehören viele in Deutschland unbekannte Marken wie zum Beispiel Micromax: Das indische Unternehmen lässt seine Telefone wie die meisten Konkurrenten von Auftragsfertigern in China bauen und ist in der Heimat inzwischen hinter Samsung die Nummer zwei bei Smartphones.
Ähnliche Blitzaufstiege zu „local champions“ legten Xiaomi und Coolpad in China oder etwa Evercoss in Indonesien hin. Doch auch hierzulande wagen sich bereits Newcomer mit Ambi­tionen wie Kazam aus Großbritannien oder Wiko aus Frankreich, die Chipsets von Mediatek einsetzen, auf den Markt.
Auch Alcatel/TCT Mobile ist ein wichtiger Kunde von Mediatek, der zudem in vielen Ländern vertreten ist. Diese Unternehmen sind in der Lage, Quadcore-Smartphones mit 5-Zoll-Displays für 150 bis 200 Euro anzubieten, und bringen jetzt auch vermehrt etwas teurere Octacore-Geräte.

Die Smartphone-Mittelklasse wird immer dominanter

Johan Lodenius, Vizepräsident von Mediatek: „Die Smartphone-Mittelklasse wird immer dominanter, Highend-Geräte sind dagegen langfristig nur noch eine Image-Frage.“ Für die traditionellen Marken sieht er deshalb am ehesten dort eine Zukunft.
Als Chip-Hersteller sei man derzeit ohnehin optimal positioniert, denn die meisten großen Smartphone-Schmieden würden auf mehr als einen Lieferanten in diesem Bereich setzen, um mehr Sicherheit bei Ausfällen zu haben, erklärt Jeffrey Ju, Leiter des Smartphone-Geschäfts von Mediatek, im Gespräch mit Telecom Handel.
Neben den günstigeren Kosten für die Chipsets verweist Ju auch auf die kurzen Entwicklungszeiten, die es den Geräteherstellern erlauben würden, Modellzyklen von früher neun auf inzwischen vier Monate zu reduzieren. Dabei gehe es in Zukunft um weitere Schritte zu einer größtmöglichen Flexibilität: „Keiner kann sagen, wie sich der Markt zum Beispiel bei Smart Weara­bles und M2M entwickelt, deshalb müssen wir unter Umständen sehr kurzfristig reagieren können.“ Dazu gibt es zum Beispiel die Plattform Link­It, die auch ein spezielles Betriebssystem für Wearables umfasst.
Der Chip-Hersteller aus Taiwan startet jetzt zusammen mit Google die nächste Stufe seiner Offensive: Das im März ins Leben gerufene Programm An­droid One hat das Ziel, ein Smartphone mit der „puren“ Version des Betriebssystems für Milliarden potenzieller Erstkäufer in weniger wohlhabenden Ländern für unter 100 US-Dollar anzubieten.
Zu den ersten Herstellern gehören Marken wie Spice, Karbonn oder Micromax aus Indien, wo die Smartphone-Verbreitung noch gering ist. Die Geräte verwenden das Quad­core-Chipset MT6582 von Mediatek. Dessen Leistungsniveau habe sich inzwischen als Standard auch bei den preiswerten Modellen durchgesetzt, so Ju.
Wir konnten das Canvas A1, eines dieser Geräte von Micromax, bereits ausprobieren und waren überrascht, wie gut es die wichtigsten Funktionen wie Telefonie, Surfen (über HSPA) und Mail beherrscht. Vor allem die Display-Größe von 4,5 Zoll ist ungewöhnlich für diese Preisklasse. Lediglich die Verarbeitung mit viel Plastik und eine schwache Kamera lassen den Niedrig-Preis erahnen.



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