Studien 15.07.2020, 10:21 Uhr

So setzt der Online-Handel die Mehrwertsteuer-Senkung um

Am 1. Juli hat die Bundesregierung die Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent gesenkt. Die meisten stationären Händler geben die Preissenkung an die Endverbraucher weiter. Wie es sich im Online-Handel verhält, zeigen Studien von guenstiger.de und idealo.
(Quelle: shutterstock.com/little Whale)
Bundestag und Bundesrat hatten im Juni wichtige Teile des 130 Milliarden Euro schweren Corona-Konjunkturpakets beschlossen, das den Konsum wieder ankurbeln soll. Das größte Konjunkturpaket in der deutschen Geschichte soll Millionen Bürger entlasten und die Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs bringen. Viele Einkäufe im Supermarkt, Möbelhaus oder Elektromarkt sollen für ein halbes Jahr billiger werden. Dafür sinkt der Mehrwertsteuersatz vom 1. Juli bis zum 31. Dezember von 19 auf 16 Prozent. Der ermäßigte Satz, der für viele Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs gilt, wird von sieben auf fünf Prozent reduziert.
Viele stationäre Händler und Discounter werben seither mit ermäßigten Preisen und geben die Preissenkung an die Endverbraucher weiter. Da die Händler nicht dazu verpflichtet sind, den Steuervorteil an die Verbraucher weiterzugeben, sind Kunden auf die Kulanz der Shop-Betreiber angewiesen. Wie es sich im Online-Handel verhält, haben die Preisvergleichsseiten guenstiger.de und idealo unabhängig voneinander untersucht.

guenstiger.de: Jeder zweite Preis ist reduziert

Für die Analyse von guenstiger.de wurden rund 24 Millionen Angebote von 875 Online-Händlern untersucht. Konkret wurde geprüft, wie sich die auf guenstiger.de verfügbaren Händlerpreise eine Woche vor und nach dem 1. Juli 2020 verhielten.
Jeder zweite Preis (53 Prozent) wurde demnach im Zuge der Mehrwertsteuer-Senkung nicht reduziert. Bei 10,8 Millionen Angeboten (45 Prozent) ließ keine preisliche Veränderung feststellen. Bei acht Prozent der Online-Preise mussten Käufer am 8. Juli sogar im Schnitt 8,2 Prozent mehr zahlen als Ende Juni.
Bei 47 Prozent der 24 Millionen untersuchten Angebote wurde der Preis nach der Mehrwertsteuer-Umstellung gesenkt. Mit durchschnittlich 3,8 Prozent fiel die Reduzierung dabei etwas höher aus als der eigentliche Mehrwertsteuer-Rabatt von 2,52 Prozent, welcher sich am Nettopreis orientiert. Eine Reduzierung um genau 2,52 Prozent ließ sich bei mehr als der Hälfte (57 Prozent) der gesenkten Preise feststellen. Bei insgesamt 28 Prozent der Angebote fiel die Ersparnis dagegen höher aus, bei 15 Prozent wiederum geringer.
Doch wie stark ist der Einfluss der durch Corona bedingten Mehrwertsteuer-Senkung auf den Online-Handel wirklich? Dazu verglich guenstiger.de die Preisentwicklung von Ende Juni bis Anfang Juli 2020 mit dem Vorjahreszeitraum.
Demnach konnten Verbraucher im letzten Jahr zwar prozentual gesehen bei etwa genauso vielen Angeboten sparen (47 Prozent im Jahr 2020 gegenüber 43 Prozent im Jahr 2019) - mit durchschnittlich 7,5 Prozent im Jahr 2019 jedoch deutlich mehr im Vergleich zu den bereits erwähnten 3,8 Prozent in diesem Jahr.
"Viele Shops werben derzeit damit, die Steuersenkung an ihre Kunden weiterzugeben", sagt Nicole Berg, Communications Managerin bei guenstiger.de. "Im Vergleich zum Vorjahr scheinen die Händler sich jedoch mit zusätzlichen Rabatten zurückzuhalten. Das Sparpotenzial für Konsumenten fällt damit im Jahr 2020 allgemein niedriger aus als im Jahr 2019."

idealo: Niedrigere Preise im Online-Handel

Konkurrent idealo kommt zu folgendem Ergebnis: Das Unternehmen hat vom 1. Juni bis 8. Juli die Preise für über 2,5 Millionen Produkte aus 1.749 Produktkategorien analysiert. Demnach fielen durchschnittlich die Preise um 1,9 Prozent.
Der Fokus lag bei der Analyse auf den jeweils günstigsten Angeboten der Produkte. "Wenn die ohnehin schon günstigsten Preise Anfang Juli im Vergleich zum Vormonat kurzfristig fallen, ist dies in diesem speziellen Fall ein Indiz für die Weitergabe der Mehrwertsteuersenkung", sagt Michael Stempin, Preisexperte bei idealo. Über alle Hauptkategorien auf idealo.de hinweg konnten ausschließlich sinkende Preise festgestellt werden.
Schaut man sich die Preisentwicklung der 100 umsatzstärksten Online-Shops Deutschlands von Juni zu Juli an, fällt die durchschnittliche Preissenkung zunächst geringer aus. 78 der 100 untersuchten Shops verzeichnen laut idealo ein niedrigeres Preisniveau - im Schnitt sind die Preise bei diesen Händlern um 0,77 Prozent gefallen. Bei fünf Händlern sanken die Preise um 2,52 Prozent oder mehr.
"Bei der Betrachtungsweise einzelner Online-Shops muss unbedingt berücksichtigt werden, dass sich viele weitere Faktoren wie Nachfrage, Verfügbarkeit, Einkaufspreis oder auch Betriebskosten auf die Preisgestaltung auswirken", so Stempin. "Das sinkende Preisniveau bei über drei Viertel der 100 Online-Shops sowie die fallenden Preise in allen Kategorien sind aus unserer Sicht Indizien dafür, dass ein Großteil der Händler Rabatte an ihre Kunden durchreichen."
Die Ergebnisse der Analysen würden darauf schließen, dass die Preise im Online-Handel im Zuge der Mehrwertsteuersenkung nach unten angepasst wurden. Eine Senkung von 2,52 Prozent ist vor allem bei höherpreisigen Produkten spürbar. Betrachtet man die Senkung aber auf den gesamten Zeitraum von sechs Monaten, so haben Verbraucher je nach Konsumlaune am Ende mehr im Portemonnaie.


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