EDNT öffnet eigene VoIP-Plattform für den Channel
Die EDNT IT-Services GmbH stellt ihre eigene VoIP-Technologie künftig auch Partnern zur Verfügung. Dafür hat das Bensheimer Systemhaus die acall Technologies GmbH als eigenständige Gesellschaft ausgegründet. Acall tritt künftig als Hersteller auf und setzt vollständig auf den indirekten Vertrieb über Systemhäuser, Reseller und Provider.
Die Technologie dahinter ist allerdings nicht neu: Die Plattform wurde nach Angaben des Unternehmens über Jahre innerhalb der EDNT-Gruppe entwickelt und bereits im eigenen Produktivbetrieb eingesetzt. Mit der Ausgründung soll sie nun als eigenständiges Channel-Angebot vermarktet werden. „Wir gründen kein Startup aus. Wir verselbstständigen ein Produkt, das seit Jahren im Markt ist – jetzt mit der Struktur, die der Channel dafür braucht“, sagt Geschäftsführer Lucas Knapp.
White-Label-Modell mit Open-Source-Basis
Mit Acall erhalten Partner eine VoIP-Toolbox, mit der sie eine eigene Telefonie-Plattform betreiben und unter eigener Marke anbieten können. Anders als bei klassischen Modellen, bei denen Systemhäuser Sprachkanäle und Nebenstellen eines Herstellers weiterverkaufen, setzt Acall auf ein White-Label-Konzept mit eigener Wertschöpfung beim Partner.
Die Plattform basiert auf den Open-Source-Technologien FusionPBX und FreeSWITCH. Zum Angebot gehören unter anderem eine Telefonanlage, Softphones für Windows, macOS, Linux, iOS und Android, ein Session Border Controller für eigenes SIP-Trunking, ein Microsoft-Teams-Connector sowie Schnittstellen zur Integration weiterer Anwendungen.
Ein zentraler Bestandteil des Konzepts ist die Datensouveränität. Die Lösung kann in der eigenen Infrastruktur des Partners betrieben werden. Alternativ bietet Acall Hosting-Optionen an. Für den eigentlichen Telefoniebetrieb fallen laut Anbieter keine Lizenzgebühren an. Kostenpflichtige Leistungen sind unter anderem Hosting, Schulungen, Support, Service-Level-Vereinbarungen sowie zusätzliche Funktionen wie APIs oder eine Abrechnungslösung für Endkunden.
„Systemhäuser haben jahrelang gelernt, fremde Produkte zu verkaufen. Wir geben ihnen die Mittel, wieder eigene zu bauen“, erklärt Geschäftsführer Karlheinz Knapp.
Vom Systemhaus zum Anbieter
Mit dem Modell adressiert Acall einen Trend im IT-Channel: Systemhäuser versuchen zunehmend, eigene Services und Plattformangebote aufzubauen, um sich stärker über eigene Leistungen und nicht ausschließlich über Herstellerprodukte zu differenzieren.
EDNT verfolgt diesen Ansatz bereits seit Jahren. Das familiengeführte Unternehmen betreibt ein eigenes Rechenzentrum und setzt nach eigenen Angaben auf Open-Source-Technologien sowie souveräne Cloud- und Infrastrukturangebote. Die Entwicklung von Acall entstand aus diesem Umfeld heraus, um die Abhängigkeit von externen Plattformanbietern zu reduzieren.
Nach Angaben von EDNT wurde die zugrunde liegende Forschungs- und Entwicklungsarbeit zudem im Rahmen einer staatlichen Innovationsförderung unterstützt.
Workshop auf der communicate in Hamburg
Wie digitale Souveränität vom technologischen Ansatz zum Geschäftsmodell werden kann, zeigt Lucas Knapp auch auf der communicate, die im Rahmen der leat con 26 vom 6. bis 8. Oktober in Hamburg stattfindet. In seinem Workshop „Vom Wiederverkäufer zum Anbieter: Wie digitale Souveränität zum Geschäftsmodell wird“ beleuchtet er anhand konkreter Praxisbeispiele, wie IT-Unternehmen durch offene Technologien und eigene Plattformen neue Wertschöpfungsmodelle entwickeln können.
Die Geschäftsführer Karlheinz Knapp (links) und Lucas Knapp verantworten die Ausrichtung von EDNT und Acall Technologies.
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