Epiris übernimmt Gamma Communications
Nach einem rund viermonatigen Bieterwettstreit hat sich Gamma Communications am 1. September 2026 auf eine Übernahme durch die Private-Equity-Gesellschaft Epiris geeinigt. Der Deal bewertet das Unternehmen einschließlich Schulden mit rund 1,08 Milliarden Pfund, umgerechnet etwa 1,25 Milliarden Euro. Der reine Eigenkapitalwert liegt bei rund 1,02 Milliarden Pfund. Gamma-Aktionäre erhalten 1.120 Pence in bar je Aktie. Das entspricht einem Aufschlag von 53 Prozent auf den Schlusskurs vom 7. April, dem Tag, an dem Gamma erstmals Übernahmegespräche bestätigt hatte.
Neben Epiris hatten in den vergangenen Monaten auch der US-Finanzinvestor Providence Equity Partners sowie ein Konsortium aus Oakley Capital und dem Cloud-Marktplatz-Anbieter Giacom Interesse an Gamma bekundet. Auch Waterland Private Equity Investments führte zeitweise Vorgespräche. Providence und das Oakley-Giacom-Konsortium zogen sich im Juni aus dem Bieterprozess zurück. Am Ende blieb nur noch Epiris übrig. Der Gamma-Vorstand empfiehlt den Aktionären die Offerte einstimmig zur Annahme. Directors mit eigenem Aktienbesitz haben bereits unwiderruflich zugesagt, dafür zu stimmen. Der Deal steht noch unter den üblichen aufsichtsrechtlichen Vorbehalten.
Epiris begründet die Übernahme unter anderem damit, dass ein Rückzug von der Börse dem Unternehmen mehr Spielraum für Investitionen verschaffen soll, etwa in KI-Funktionen und weiteres Wachstum im Kommunikationstechnologie-Geschäft. Gamma hatte 2025 bereits rund 7 Millionen Pfund jährliche Kosten eingespart und in KI-gestützte Kommunikationsdienste investiert. Das dürfte das Unternehmen für Käufer zusätzlich attraktiv gemacht haben.
Drei Bieter, ein Ergebnis
Der britische Branchenanalyst Dom Black von der Cavell Group ordnet den Deal als Teil eines größeren Musters ein. Als weiteren Beleg nennt er die Beteiligung von Providence Equity an der Southern Communications Group im Juli. Aus seiner Sicht zeigt sich damit ein deutliches Interesse von Private-Equity-Investoren an skalierten, profitablen Kommunikationsanbietern mit wiederkehrenden Umsätzen und Konsolidierungspotenzial. Gamma passe mit der eigenen Akquisitionshistorie, etwa Placetel in Deutschland, gut in dieses Bild. Diese Strategie könne Epiris nach dem Rückzug von der Börse nun ohne die Kontrolle durch den öffentlichen Kapitalmarkt fortsetzen.
Die deutsche Gamma-Gruppe
Gamma hatte sich in den vergangenen Jahren gezielt im deutschen Markt aufgebaut. Der Einstieg erfolgte 2020 mit der Übernahme des SIP-Trunk-Anbieters HFO Telecom, seither firmiert dieser Bereich als Gamma Communications Deutschland. 2024 kam der Cloud-PBX-Anbieter Placetel dazu, im Februar 2025 schließlich die Starface-Gruppe samt Estos für rund 165 Millionen Pfund. Zusammengenommen kommt Gamma damit in Deutschland auf über 500.000 verkaufte Cloud-PBX-Plätze. Das Unternehmen bezeichnet das als eine der größten Cloud-PBX-Installationsbasen im Land.
Anfang 2026 wurden die Vertriebsorganisationen von Gamma, Starface und Estos in Deutschland zusammengelegt. Bestehende Herstellerverträge der Partner sollen dabei unverändert fortgeführt werden. Die neue Führungsstruktur unter Gerben Wijbenga als Managing Director Gamma Europe, mit dem früheren Starface-CEO Florian Buzin an der Spitze des deutschen Geschäfts, war erst wenige Monate im Amt, als die Übernahmegespräche mit den Finanzinvestoren begannen.
Was der Eigentümerwechsel für die Partnerlandschaft in Deutschland konkret bedeutet, ist aktuell offen. Private-Equity-Übernahmen im Kommunikationsmarkt führen nicht zwangsläufig zu kurzfristigen Änderungen im Partnergeschäft. Epiris hat öffentlich signalisiert, zusätzliches Kapital für Wachstum und Produktentwicklung bereitstellen zu wollen. Gleichzeitig bringen solche Transaktionen erfahrungsgemäß mittelfristig auch strategische Neuausrichtungen mit sich.