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Nadella verspricht KI ohne Cloud-Zwang

Microsoft-CEO Satya Nadella hat auf der AI Tour in München neue Optionen für den entkoppelten Betrieb von Cloud- und KI-Diensten vorgestellt und den Souveränitätsbegriff über die reine Datenhaltung hinaus erweitert.
AI Tour von Microsoft 2026

Satya Nadella, Chairman und CEO von Microsoft, auf der AI Tour 2026 in den Münchner Eisbach Studios

© Microsoft

Rund 1.700 Besucher kamen am 25. Februar in die Münchner Eisbach Studios zur Microsoft AI Tour, nach Berlin (2024) und Frankfurt (2025) die dritte deutsche Station des globalen Veranstaltungsformats. Im Zentrum von Nadellas Keynote standen neue Souveränitätsoptionen und die Weiterentwicklung der KI-Agenten-Strategie.

Drei neue Disconnected-Optionen

Die konkreten Produktankündigungen betreffen drei Bereiche. Bei Azure Local Disconnected und Microsoft 365 Local Disconnected können Unternehmen und Behörden künftig nicht nur Daten und Workloads lokal betreiben, sondern erstmals auch die zentrale Steuerungsebene (Control Plane). Bislang war diese an die Public Cloud angebunden. Alexander Britz, Public-Sector-Leiter und Mitglied der Geschäftsleitung von Microsoft Deutschland, erläuterte: „Es braucht überhaupt keine Verbindung mehr in irgendeiner Art und Weise.“ Kunden hätten unmittelbar nach der Keynote Interesse signalisiert, weil sie nun zwischen Public Cloud und lokaler Installation flexibel wechseln und bei Bedarf die Verbindung komplett kappen könnten.

Mit Foundry Local lassen sich zudem große KI-Modelle auf eigener Hardware in vollständig getrennten Umgebungen betreiben, bislang war dafür die Public Cloud Voraussetzung. Voraussetzung bleibt die entsprechende Infrastruktur, etwa Nvidia-GPUs.

Ergänzt werden die Produkte durch das neue European Sovereignty Studio in München, ein Beratungszentrum, in dem Kunden ihre Souveränitätsanforderungen analysieren und passende Architekturen konfigurieren können. Microsoft-Präsident Brad Smith hatte es wenige Tage zuvor zur Münchner Sicherheitskonferenz eröffnet. Für den deutschen Markt bleibt zudem die Delos Cloud relevant, eine mit einem deutschen Partner betriebene nationale Cloud, die auf BSI-Anforderungen zugeschnitten ist. Darüber hinaus baut Microsoft die Verschlüsselungs-Partnerschaften aus, etwa mit dem Aachener Unternehmen Utimaco, dessen Hardware-Module Daten in der Public Cloud so verschlüsseln, dass auch Microsoft selbst keinen Zugriff hat.

Britz betonte, es gebe nicht die eine Definition von Souveränität und auch nicht die eine Lösung. Verschiedene Teile einer Organisation hätten unterschiedliche Anforderungen, die sich auch je nach Lage ändern könnten.

Nadella weitet Souveränitätsbegriff aus

Über die Produktankündigungen hinaus gab Nadella dem Souveränitätsbegriff eine neue Wendung. Er nannte ihn „eine absolut legitime Sorge“, lenkte dann aber auf einen Aspekt, der in der öffentlichen Debatte kaum vorkomme: die Souveränität des einzelnen Unternehmens über seine eigene Intelligenz.

„Hören Sie auf, eine Intelligenz zu feiern, die nicht Ihre eigene ist. Werden Sie sehr fokussiert darauf, wie Sie die Kontrolle über Ihre eigene Intelligenz innerhalb Ihrer Organisation bekommen, denn die Zukunft Ihrer Firma hängt davon ab.“

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Satya Nadella, Chairman und CEO von Microsoft

Nadella argumentierte, dass in einer Welt lernender Systeme das implizite Wissen eines Unternehmens noch stärker geschützt werden müsse: „Sie wollen nicht, dass der Unternehmenswert der Einzigartigkeit Ihres Wissens und Ihrer Daten nach außen abfließt. Das wird in Zeiten von Lernsystemen, die aus sehr wenigen Datenpunkten lernen können, sogar noch wichtiger.“

KI als „Lean Management für Wissensarbeit“

Nadellas zweite zentrale These: KI ermögliche erstmals so etwas wie „Continuous Improvement für Wissensarbeit“, vergleichbar mit dem Lean-Management-Ansatz in der Produktion. Der Schlüssel dazu seien nicht die Modelle selbst, sondern die Fähigkeit, die richtigen Messgrößen zu definieren. „Es geht nicht um irgendeine Technologie oder irgendein Produkt. Es geht um die Fähigkeit, eine Evaluierung zu verändern. Also zu messen, was man in der eigenen Organisation tatsächlich verbessert“, so Nadella.

Zugleich warnte er vor schlecht designten KI-Systemen: „Wenn man eine Black Box hat, die etwas generiert und dann die gesamte kognitive Last zurück auf den Nutzer überträgt, um herauszufinden, was passiert ist, dann treibt das keine Produktivität. Dann vernichtet es Produktivität.“

Von Chat zu autonomen Agenten

Microsofts Produktstrategie hat sich in den vergangenen zwei Jahren vom Chat-Interface hin zu agentenbasierter KI entwickelt. „Wir haben vor zwei Jahren mit Chat als Interface angefangen und sind schnell weitergegangen: zu Chat plus der Möglichkeit, Aufgaben an Agenten zu delegieren“, erklärte Nadella. Darunter fallen Research-Agenten, Datenanalyse-Agenten und der neue Agent Mode in Excel. „Wer hätte gedacht, dass Excel 2026 ein Comeback feiert“, scherzte Nadella.

Technisch greift Microsoft dafür auf drei Datenebenen zurück: Informationen aus Microsoft 365, bestehende BI- und Fabric-Datenmodelle sowie weitere unternehmensinterne Quellen. Darauf baut die Plattform „Foundry“ auf, über die Unternehmen eigene Agenten und auch komplexe Multi-Agenten-Systeme entwickeln können.

Für die Governance dieser Agenten kündigte Nadella Agent 365 an, eine Erweiterung der Sicherheitstools Entra, Defender und Purview auf KI-Agenten. „Die Einführung all dessen wird ins Stocken geraten, wenn wir nicht gleichzeitig volle Transparenz über alle Agenten innerhalb eines Unternehmens haben“, so Nadella.

Praxisbeispiele aus Deutschland

Dass KI in Deutschland über die Pilotphase hinausgeht, belegte Nadella mit Zahlen: Bei Volkswagen haben 190.000 Beschäftigte Zugang zu Copilot, 30.000 nutzen die Vollversion. Deutschland zählt 4,8 Millionen GitHub-Nutzer bei 22 Prozent jährlichem Wachstum.

Auf der AI Tour selbst präsentierten mehrere Organisationen ihre KI-Projekte: Die Branddirektion München betreibt einen KI-Sprachbot für nicht-prioritäre Krankentransporte in eigenen Rechenzentren. Ziel ist die Entlastung der Leitstelle; Notrufe bleiben unberührt. Das Europäische Patentamt testet Copilot für die Erstellung von Protokollentwürfen; laut Angaben aus dem Pilot meldeten rund 30 Prozent der Nutzer eine Zeitersparnis. Und die Fraunhofer-Gesellschaft kombiniert eigene GPU-Infrastruktur mit Cloud-Modellen und betreibt mit „FhGenie“ eine interne KI-Plattform, die nach eigenen Angaben von rund 12.000 Mitarbeitenden genutzt wird.

Agnes Heftberger, Corporate Vice President und CEO von Microsoft Deutschland und Österreich, appellierte an die Entscheider im Saal, die Angst, etwas zu verpassen, in Handlung umzusetzen: „Wer sich jetzt keine Fragen stellt, wer jetzt ganz gezielt in die Zukunft schaut und sagt, schauen wir mal was da kommt, der wird sicher weg sein.“

Souveränität versus Sicherheit

Nadella setzte am Ende seiner Keynote einen Kontrapunkt zur eigenen Souveränitäts-Offensive. Souveränität dürfe nicht auf Kosten der Sicherheit gehen: „Eine souveräne Cloud, die nicht in der Lage ist, globale Bedrohungsintelligenz anzuzapfen, ist eine massive Schwachstelle.“ Cyberangriffe kämen nicht aus dem eigenen Land, sondern von überall – deshalb müsse auch eine entkoppelte Infrastruktur Zugang zu globalen Sicherheitsinformationen behalten.

Offen blieb die Frage, wie souverän Lösungen eines US-Konzerns unter den Bedingungen des CLOUD Act tatsächlich sein können. Für den Channel heißt das: Es gibt mehr Optionen für die Kundenberatung, aber auch mehr Erklärungsbedarf.

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