Nadella verspricht KI ohne Cloud-Zwang
Rund 1.700 Besucher kamen am 25. Februar in die Münchner Eisbach Studios zur Microsoft AI Tour, nach Berlin (2024) und Frankfurt (2025) die dritte deutsche Station des globalen Veranstaltungsformats. Im Zentrum von Nadellas Keynote standen neue Souveränitätsoptionen und die Weiterentwicklung der KI-Agenten-Strategie.
Drei neue Disconnected-Optionen
Die konkreten Produktankündigungen betreffen drei Bereiche. Bei Azure Local Disconnected und Microsoft 365 Local Disconnected können Unternehmen und Behörden künftig nicht nur Daten und Workloads lokal betreiben, sondern erstmals auch die zentrale Steuerungsebene (Control Plane). Bislang war diese an die Public Cloud angebunden. Alexander Britz, Public-Sector-Leiter und Mitglied der Geschäftsleitung von Microsoft Deutschland, erläuterte: „Es braucht überhaupt keine Verbindung mehr in irgendeiner Art und Weise.“ Kunden hätten unmittelbar nach der Keynote Interesse signalisiert, weil sie nun zwischen Public Cloud und lokaler Installation flexibel wechseln und bei Bedarf die Verbindung komplett kappen könnten.
Mit Foundry Local lassen sich zudem große KI-Modelle auf eigener Hardware in vollständig getrennten Umgebungen betreiben, bislang war dafür die Public Cloud Voraussetzung. Voraussetzung bleibt die entsprechende Infrastruktur, etwa Nvidia-GPUs.
Ergänzt werden die Produkte durch das neue European Sovereignty Studio in München, ein Beratungszentrum, in dem Kunden ihre Souveränitätsanforderungen analysieren und passende Architekturen konfigurieren können. Microsoft-Präsident Brad Smith hatte es wenige Tage zuvor zur Münchner Sicherheitskonferenz eröffnet. Für den deutschen Markt bleibt zudem die Delos Cloud relevant, eine mit einem deutschen Partner betriebene nationale Cloud, die auf BSI-Anforderungen zugeschnitten ist. Darüber hinaus baut Microsoft die Verschlüsselungs-Partnerschaften aus, etwa mit dem Aachener Unternehmen Utimaco, dessen Hardware-Module Daten in der Public Cloud so verschlüsseln, dass auch Microsoft selbst keinen Zugriff hat.
Britz betonte, es gebe nicht die eine Definition von Souveränität und auch nicht die eine Lösung. Verschiedene Teile einer Organisation hätten unterschiedliche Anforderungen, die sich auch je nach Lage ändern könnten.
Nadella weitet Souveränitätsbegriff aus
Über die Produktankündigungen hinaus gab Nadella dem Souveränitätsbegriff eine neue Wendung. Er nannte ihn „eine absolut legitime Sorge“, lenkte dann aber auf einen Aspekt, der in der öffentlichen Debatte kaum vorkomme: die Souveränität des einzelnen Unternehmens über seine eigene Intelligenz.