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Lesedauer 4 Min.

Zoom ordnet Arbeit neu

Mit dem AI Companion 3.0 bautZoom Communicationsseine KI-Funktionen zu einer plattformweiten Arbeitsunterstützung aus. Der Anbieter setzt dabei auf einen föderierten KI-Ansatz, ein neues Web-Interface und flexible Lizenzmodelle.

Mit dem AI Companion 3.0 erweitert Zoom seine Plattform um eine KI-gestützte Arbeitsoberfläche, die Informationen aus Meetings, Chats und Dokumenten zusammenführt und weiterverarbeitet

© (Quelle: DALL-E)

Mit dem AI Companion 3.0 treibt Zoom die Weiterentwicklung seiner Plattform über klassische Meeting-Funktionen hinaus voran. Statt einzelner KI-Features steht nun eine durchgängige, kontextbasierte Unterstützung von Arbeit im Mittelpunkt – über Meetings, Chats, Dokumente und Aufgaben hinweg. Ziel ist es, verstreute Inhalte aus der Zusammenarbeit zusammenzuführen und direkt in verwertbare Ergebnisse zu überführen.

Zentrales neues Element ist ein browserbasiertes Web-Interface, das den AI Companion erstmals als eigenständige Arbeitsoberfläche verfügbar macht. Dort lassen sich Informationen aus Meetings, Chats und Dokumenten bündeln, analysieren und weiterverarbeiten, etwa in Form von Zusammenfassungen, Aufgabenlisten oder Entwürfen. Nutzer müssen dafür keine Transkripte hochladen oder komplexe Prompts formulieren; der Assistent greift auf den vorhandenen Arbeitskontext innerhalb der Zoom-Plattform zu.

Vom Meeting-Tool zur Arbeitsplattform

Technologisch setzt Zoom auf einen sogenannten Federated-AI-Ansatz. Eigene Large und Small Language Models werden je nach Anwendungsfall mit externen Modellen kombiniert, unter anderem von OpenAI und Anthropic sowie mit Open-Source-Modellen wie NVIDIA Nemotron. Ziel ist es, für unterschiedliche Aufgaben jeweils passende Modelle einzusetzen und so die Qualität von Ergebnissen zu erhöhen – etwa bei der Informationssuche, bei Zusammenfassungen oder bei der Texterstellung.

„Der AI Companion 3.0 markiert einen Wendepunkt in unserer Entwicklung – weg von einer reinen Meeting-Plattform hin zu intelligenter Arbeitskoordination“, sagt Velchamy Sankarlingam, President of Product and Engineering bei Zoom. Die neuen Funktionen sollen Nutzern helfen, Gespräche schneller in konkrete nächste Schritte zu überführen.

KI-Architektur und agentische Funktionen

Ein Schwerpunkt liegt auf sogenannten agentischen Funktionen. Dazu zählen unter anderem eine kontextbasierte Suche über Meeting-Zusammenfassungen, Transkripte und Notizen hinweg sowie die Anbindung externer Dienste wie Google Drive oder Microsoft OneDrive. Weitere Integrationen, etwa für E-Mail-Dienste, sind angekündigt. Ergänzend erzeugt der AI Companion automatisch Follow-up-Aufgaben, Entwürfe für E-Mails oder tägliche Übersichten über Meetings und To-dos.

Auch im Bereich Dokumentenerstellung baut Zoom die KI-Funktionen aus. In Zoom Docs soll der AI Companion künftig beim Entwerfen, Überarbeiten und Strukturieren von Texten unterstützen. Inhalte lassen sich dabei gemeinsam mit anderen Nutzern weiterbearbeiten, kommentieren und versionieren. Mehrere dieser Funktionen befinden sich allerdings noch in der Beta-Phase oder sind als „coming soon“ angekündigt.

Ein zentrales Thema bleibt Datenschutz und Sicherheit. Zoom betont, dass Kundendaten weder zum Training eigener noch externer KI-Modelle verwendet werden. Inhalte werden während der Übertragung sowie im Ruhezustand verschlüsselt, auch bei der Zusammenarbeit mit externen Modellanbietern.

Neu ist zudem die Ausweitung der Verfügbarkeit. Ausgewählte Funktionen des AI Companion 3.0 stehen auch Nutzern von Zoom Workplace Basic zur Verfügung. Darüber hinaus lässt sich der KI-Assistent erstmals separat buchen – unabhängig von einer kostenpflichtigen Zoom-Workplace-Lizenz. Damit senkt Zoom die Einstiegshürde für Unternehmen, die KI-Funktionen zunächst isoliert testen möchten.

Aus Analystensicht adressiert Zoom damit ein zentrales Bedürfnis vieler Organisationen. „Menschen brauchen konsistente, leicht nutzbare und gebündelte Lösungen, um Arbeit effizient zu erledigen“, sagt Kevin Kieller, Co-Gründer und Analyst bei enableUC. Der AI Companion 3.0 gehe genau in diese Richtung.

Mit der neuen Version positioniert sich Zoom stärker als Plattform für integrierte Arbeitsprozesse. Ob sich der Anspruch einer umfassenden „Work Orchestration“ in der Praxis einlöst, wird sich allerdings erst zeigen, wenn die angekündigten Funktionen flächendeckend verfügbar sind und im Arbeitsalltag ankommen.

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