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Lesedauer 4 Min.

Kupfer vor dem Aus: Ministerium legt Migrationsplan vor

Das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung hat erstmals Eckpunkte für den Ausstieg aus dem Kupfernetz und den Umstieg auf Glasfaser veröffentlicht. Die Branche begrüßt den Schritt, mahnt aber mehr Verbindlichkeit an.

Glasfaserausbau vor Ort: Das BMDS will mit neuen Eckpunkten den geordneten Abschied vom Kupfernetz einleiten

© (Quelle: shutterstock / Christian Schwier)

Noch immer hängen Millionen Internetanschlüsse in Deutschland am alten Kupfernetz. DSL-Leitungen prägen vielerorts die Grundversorgung, obwohl Glasfaser längst als Zukunftstechnologie gilt. Kupfer ist wartungsintensiv, teuer im Betrieb und bremst die Digitalisierung. Ein politisch gesteuerter Ausstieg wurde seit Jahren diskutiert – nun liegt mit den Eckpunkten des BMDS erstmals ein offizieller Rahmen auf dem Tisch.

Das Papier skizziert den Ausstieg als langfristigen Prozess. Unter heutigen Bedingungen sei zwischen 2035 und 2040 mit einem vollständigen Ende der Kupfernetze zu rechnen. Regionale Abschaltungen sollen schrittweise erfolgen, sobald Glasfaser in ausreichendem Umfang verfügbar ist. Entscheidend: Die Bundesnetzagentur (BNetzA) soll die Verfahren stärker überwachen, um Wettbewerbsverzerrungen zu verhindern.

Für Kunden bedeutet das: Wer heute noch über DSL surft, wird in den kommenden Jahren auf Glasfaser wechseln müssen. Dafür sieht das Ministerium Sonderkündigungsrechte vor, falls Kupferanschlüsse abgeschaltet werden. Auch die Verteilung der Kosten für den Parallelbetrieb – wenn Kupfer und Glasfaser gleichzeitig genutzt werden – soll geregelt werden.

Mehr Kontrolle für die BNetzA

Ein Knackpunkt ist die Rolle der Telekom. Als Eigentümerin des größten Teils des Kupfernetzes könnte sie einseitig Abschaltungen vorantreiben – mit Risiken für alternative Anbieter. Das BMDS will deshalb, dass die BNetzA künftig übergreifende Transparenz- und Kontrollrechte erhält. Betreiber sollen Abschaltpläne frühzeitig veröffentlichen und Wettbewerber einbinden. So soll ein diskriminierungsfreier Übergang gewährleistet werden.

Die Reaktionen der Verbände fallen unterschiedlich aus:

  • VATM lobt das Papier als „überfälligen Schritt zu mehr Planungssicherheit“ und drängt auf klare Vorgaben, damit alternative Netzbetreiber nicht ins Hintertreffen geraten.
  • VKU, der Verband kommunaler Unternehmen, fordert faire Verfahren auch dort, wo mehrere Glasfaseranbieter parallel aktiv sind. Ohne neutrale Regeln drohten Doppelstrukturen und Wettbewerbsprobleme.
  • Breko begrüßt die Richtung, kritisiert aber, dass feste Fristen fehlen: „Ohne verbindliche Zeitpläne bleibt das Risiko, dass der Kupferausstieg verschleppt wird.“
  • Bitkom will eigene Vorschläge einbringen und betont die Bedeutung einer engen Abstimmung mit Investitionsprogrammen und Fördermaßnahmen.

Einigkeit herrscht zumindest darin, dass der Übergang planbar, transparent und fair sein muss – nur so könne Vertrauen für Investitionen in Milliardenhöhe gesichert werden.

Bedeutung für Handel und Systemhäuser

Für den ITK-Handel ist die Migration mehr als eine technische Frage. Der Abschied vom Kupfernetz wird massive Investitionen in Glasfaser-Zugänge und Netzwerktechnik nach sich ziehen. Neue Router-Generationen, Glasfaseranschlüsse bis in die Gebäude und wachsende Nachfrage nach Installations- und Serviceleistungen eröffnen Geschäftschancen für Fachhändler und Systemhäuser.

Zugleich drohen Risiken: Wenn regionale Abschaltungen zu spät angekündigt oder schlecht koordiniert werden, entstehen Unsicherheiten bei Endkunden und Partnern. Auch die Frage, wer die Kosten des Parallelbetriebs trägt, ist für viele Dienstleister entscheidend. Hier wird es auf klare regulatorische Vorgaben ankommen.

Wichtig bleibt: Die Eckpunkte sind noch keine verbindliche Regelung. Sie dienen als Diskussionsgrundlage, bis Mitte November können Verbände, Unternehmen und Bürger Stellung nehmen. Erst danach wird die Bundesregierung entscheiden, wie ein konkretes Gesetzgebungsverfahren aussehen könnte.

Trotzdem ist das Papier ein Signal: Die Politik will den Ausstieg aktiv steuern und nicht länger allein den Netzbetreibern überlassen. Damit ist die Kupfer-Glas-Migration nicht mehr abstraktes Zukunftsthema, sondern ein absehbarer Strukturwandel im Netz.

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