Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Lesedauer 3 Min.

Monopolkommission warnt vor neuer Telekom-Dominanz

Die Monopolkommission sieht den Übergang zu Glasfaser als kritische Phase mit Risiken für den Wettbewerb. VATM und Breko fordern entschlossenes Handeln der Bundesnetzagentur und warnen vor strategischen Vorteilen für die Telekom.

Tomaso Duso, Vorsitzender der Monopolkommission, warnt vor einer wachsenden Marktdominanz der Telekom im Zuge der Glasfasermigration

© (Quelle: Monopolkommission)

Die Monopolkommission zeichnet in ihrem 14. Sektorgutachten Telekommunikation ein deutliches Bild: Der Übergang von Kupfer- zu Glasfasernetzen ist eine Phase, in der sich Marktstrukturen verfestigen können und in der vor allem die Deutsche Telekom ihre starke Stellung weiter ausbauen könnte. „Es besteht die Gefahr, dass die ehemaligen Staatsmonopolisten wieder dominant werden“, sagt Kommissionschef Tomaso Duso. Eine vorschnelle Deregulierung im Rahmen des geplanten Digital Networks Act würde „den Wettbewerb stark beeinträchtigen“.

Kritik an zögerlicher Regulierung – Fokus auf Migration und Inhouse-Netze

Kernpunkt des Gutachtens ist die anstehende Kupfer-Glasfaser-Migration, die laut Monopolkommission regulativ unzureichend gesteuert wird. Derzeit könnten Netzbetreiber Glasfaser dort priorisieren, wo Wettbewerber bereits aktiv sind – mit klaren Risiken: Der Ausbau würde verlangsamt, während alternative Anbieter verdrängt werden könnten.

Duso fordert daher eine aktivere Rolle der Bundesnetzagentur: „Die künftige Marktstruktur im Festnetz wird maßgeblich durch die Migration geprägt.“ Die Behörde müsse „von einer moderierenden in eine handelnde Rolle“ wechseln.

Konkrete Vorgaben empfiehlt die Kommission auch für die gebäudeinterne Infrastruktur. Jede Wohnung solle künftig „mit mindestens vier Fasern“ erschlossen werden, um Wettbewerb im Inhouse-Bereich dauerhaft sicherzustellen. Zudem solle es Eigentümern nur befristet erlaubt sein, ihre internen Netze zu monetarisieren.

Branchenverbände sehen dringenden Handlungsbedarf

Der VATM bekräftigt die Analyse der Wettbewerbshüter. Geschäftsführer Frederic Ufer warnt: „Der vor Jahren eingeschlagene Weg einer Regulierung light ist gescheitert und muss korrigiert werden.“ Ohne klare Vorgaben könne die Telekom das Kupfernetz länger betreiben, Ausbaugebiete taktisch wählen und alternative Anbieter ausbremsen.

Auch zum Digital Networks Act äußert der Verband klare Erwartungen: Unternehmen mit signifikanter Marktmacht müssten „weiterhin einer strengen Regulierung unterworfen bleiben“.

Der Breko stimmt in der grundsätzlichen Einschätzung überein, widerspricht jedoch einem Punkt des Gutachtens: der Idee, mehr Wettbewerb über parallele Glasfasernetze, also Doppelausbau, zu schaffen. „Dieser Vorschlag geht an der Realität vorbei“, sagt Hauptstadtbüroleiter Sven Knapp. Deutschland habe europaweit die höchsten Ausbaukosten, parallele Netze seien außerhalb weniger urbaner Lagen kaum wirtschaftlich. Wettbewerb lasse sich „auch ohne parallele Glasfasernetze erreichen: durch Open Access und diskriminierungsfreien Netzzugang“.

Fazit: Richtung klar, Umsetzung offen

Das Gutachten stellt die Regulierungsbehörden vor grundlegende Fragen: Wie lässt sich Wettbewerb sichern, wenn Glasfaser zum neuen Standard wird? Wie verhindert man marktstrategische Vorteile einzelner Netzbetreiber? Und wie schafft man einen fairen Übergang, ohne Investitionen zu gefährden?

Mit ihren Stellungnahmen machen VATM und Breko deutlich, dass der Handlungsdruck wächst. Die Bundesnetzagentur wird in den kommenden Monaten darlegen müssen, wie sie ihrer Rolle als Ordnungsgeber im neuen Glasfasermarkt gerecht werden will.

Neueste Beiträge

Tablet-Markt leidet unter Engpässen bei Komponenten
Die weltweiten Tablet-Verkäufe gingen im zweiten Quartal deutlich zurück. Ein Grund waren knappe Komponenten wie Speicherchips, die Hersteller dazu bewegt haben, teurere Modelle im Portfolio zu priorisieren.
3 Minuten
7. Aug 2026
Samsung bringt Enterprise Edition seiner neuen Foldables
Zwei der drei neuen Samsung-Foldables kommen auch in einer Edition für Geschäftskunden. Bei Samsung ist man davon überzeugt, dass die schicken Smartphones auch im Business sinnvolle Zusatzfunktionen bieten können.
3 Minuten
6. Aug 2026
Einzelhandel wächst im ersten Halbjahr vor allem dank höherer Preise
Im ersten Halbjahr konnte der deutsche Einzelhandel trotz der schlechten Stimmung der Verbraucher seinen Umsatz steigern. Vor allem die gestiegenen Preise sorgten für mehr Geld in den Kassen, real blieb nur ein kleines Plus.
3 Minuten
7. Aug 2026
TH-Newsletter-Web-1920x1080.jpg

Die Top-News des Tages direkt aus der Redaktion

mit dem Telecom Handel Newsletter

Das könnte Sie auch interessieren

Massiver Stellenabbau bei O2 Telefónica betrifft auch den Vertrieb
Bei O2 Telefónica steht ein umfangreicher Stellenabbau bevor. Mehr als 1.000 Arbeitsplätze könnten nach Medienberichten wegfallen. Auch Teile des Vertriebs sind von den Einschnitten betroffen.
4 Minuten
10. Jul 2026
Das sind die Smartphone-Bestseller des ersten Quartals
Fünfmal Samsung, viermal Apple und einmal Xiaomi: Die Marktforscher von Counterpoint Research haben die weltweit im ersten Quartal des Jahres am häufigsten verkauften Smartphones ermittelt.
2 Minuten
7. Mai 2026
Stellenabbau und Shop-Schließungen bei Telefónica Deutschland
Die Gerüchte haben sich bestätigt: Telefónica Deutschland wird dieses Jahr rund 1.100 Stellen streichen. Außerdem reduziert der Netzbetreiber seinen stationären Vertrieb und schließt rund 60 seiner eigenen Shops.
3 Minuten
23. Jul 2026
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige