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Lesedauer 4 Min.

Technostress: 23 Prozent suchen wegen IT-Frust den Job-Wechsel

Eine internationale Studie mit 4.000 Befragten zeigt: Fast zwei Drittel berichten von negativen Auswirkungen digitaler Tools – mit massiven Folgen für Unternehmen.

Schlechte Technologie ist Fluch: Jobwechsel aufgrund von Technostress

© (Quelle: EMGenie)

Technologie am Arbeitsplatz soll produktiver machen. Tatsächlich bewirkt sie oft das Gegenteil: 64 Prozent der sogenannten Knowledge Workers geben an, dass sich Technologie im vergangenen Jahr negativ auf ihr Leben ausgewirkt hat. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des Beratungsunternehmens Adaptavist, für die 4.000 Wissensarbeiter in Großbritannien, den USA, Kanada und Deutschland befragt wurden.

Die Zahlen sind drastisch: 23 Prozent der Befragten suchen aufgrund negativer Erfahrungen mit Technologie am Arbeitsplatz aktiv nach einem neuen Job. 9 Prozent lassen sich krankschreiben oder nehmen sich frei. 6 Prozent haben ihren Job bereits gekündigt. Hochgerechnet auf weltweit mehr als eine Milliarde Knowledge Workers könnte das bedeuten, dass jährlich bis zu 50 Millionen Arbeitnehmer wegen Technostress ihren Arbeitsplatz verlassen – weitere 120 Millionen suchen nach Alternativen.

Die Studie mit dem Titel „Die Folgen der digitalen Transformation für den Menschen verstehen“ offenbart ein paradoxes Bild: Während 62 Prozent der Meinung sind, dass Technologie ihre Karriere gefördert hat, leidet fast ein Viertel (23 Prozent) regelmäßig unter digitaler Überlastung. Fast die Hälfte (43 Prozent) empfindet Stress durch Nachrichtenüberflutung und das ständige Jonglieren zwischen verschiedenen Plattformen.

Wenn ständige Erreichbarkeit zur Belastung wird

Die Ursachen für den Technostress sind vielfältig. 20 Prozent der Befragten leiden unter dem Druck, außerhalb der Arbeitszeiten erreichbar sein zu müssen. 15 Prozent belastet es, ihre Produktivität ständig anhand von Kennzahlen nachweisen zu müssen. 18 Prozent fühlen sich durch die digitale Kommunikation ihrer Kollegen inkompetent, ausgeschlossen oder unbeliebt.

Besonders problematisch: Ein Viertel macht sich Sorgen, dass der eigene Umgangston oder der von Kollegen bei digitaler Kommunikation falsch verstanden werden könnte. 18 Prozent geben an, dass sie der Umgang mit neuen Tools stresst oder ängstigt. Die Technologie, die eigentlich Zusammenarbeit erleichtern soll, wird so zum Belastungsfaktor.

Für Arbeitnehmer, die bereits überlegen zu kündigen, verschärft sich die Situation dramatisch. Diese Gruppe berichtet mehr als doppelt so häufig wie der Durchschnitt von technologiebedingtem Stress (31 Prozent gegenüber 10 Prozent in Deutschland), Angstzuständen (24 gegenüber 8 Prozent), Schlafstörungen (17 gegenüber 7 Prozent) und körperlichen Stressreaktionen wie Herzklopfen oder Schweißausbrüchen (14 gegenüber 6 Prozent).

Unternehmenskultur als Schlüssel

Die Studie liefert aber auch positive Erkenntnisse: Wie Technologie eingesetzt wird, ist mindestens genauso wichtig wie die Technologie selbst. Trotz weit verbreitetem Technostress geben zwei Drittel (65 Prozent) an, Einfluss auf Technologieentscheidungen zu haben, die ihre Arbeit betreffen. Die Mehrheit (72 Prozent) fühlt sich sicher im Umgang mit den erforderlichen Plattformen. Das zeigt: Technostress ist keine Frage mangelnder Kompetenz, sondern der schieren Menge digitaler Aktivitäten.

Entscheidend ist die Unternehmenskultur. Zufriedene Mitarbeiter, die sich durch ihr Arbeitsumfeld „angeregt und motiviert“ fühlen, haben eine überwiegend positive Meinung zur Rolle von Technologie. Fast alle (89 Prozent gegenüber 73 Prozent im Durchschnitt) geben an, dass Technologie gut in die Zusammenarbeit integriert wird. 37 Prozent (gegenüber 17 Prozent) sagen, dass Technologie ihre berufliche Entwicklung „erheblich“ gefördert hat.

Auf die Frage, welche Maßnahmen Unternehmen ergreifen sollten, nannten 43 Prozent „eine Kultur, in der es Menschen leicht fällt, um Hilfe zu bitten“ als eine der drei wichtigsten Prioritäten. Nur 20 Prozent forderten „weniger Tools“ – stattdessen wünschen sich 41 Prozent mehr Schulungen, 36 Prozent technische Unterstützung und 39 Prozent Schulungsressourcen.

Wichtig ist auch Entscheidungsfreiheit: 43 Prozent der zufriedenen Mitarbeiter (gegenüber 21 Prozent im Durchschnitt) geben an, trotz Monitoring-Tools die vollständige Kontrolle über ihre Aufgabengestaltung zu behalten. Dieses Gefühl von Autonomie ist eng mit Zufriedenheit verbunden.

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