Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Lesedauer 4 Min.

VATM verschärft Kritik an Telekom-Strategie

Der Branchenverband VATM wirft der Deutschen Telekom vor, den Glasfaserausbau auszubremsen und den Wettbewerb bei der Migration von Kupfer auf Glasfaser gezielt zu schwächen. Anlass sind jüngste Positionierungen des Konzerns im regulatorischen Dialog.

Frederic Ufer, Geschäftsführer des VATM, kritisiert die Glasfaserstrategie der Deutschen Telekom und fordert klare Rahmenbedingungen für die Migration von Kupfer auf Glasfaser

© (Quelle: VATM)

Mit ungewöhnlich scharfen Worten geht der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) gegen die Deutsche Telekom vor. Anlass sind aktuelle Äußerungen des Bonner Konzerns im Rahmen von Stellungnahmen und Stakeholder-Dialogen zur Migration von Kupfer- auf Glasfasernetze. Der Verband wirft der Telekom vor, den Technologiewechsel bewusst zu verzögern und den Wettbewerb aus dem Migrationsprozess zu drängen.

„Mit dieser Strategie, noch lange die Kupfer-Kuh zu melken, will sie gleichzeitig den Wettbewerb, der bislang der entscheidende Treiber des Glasfaserausbaus in Deutschland war, aus dem Migrationsprozess und damit aus dem Markt faktisch herausdrängen“, erklärt VATM-Geschäftsführer Frederic Ufer.

Ablehnung verbindlicher Migrationsinstrumente

Konkret kritisiert der VATM, dass die Telekom zentrale wettbewerbliche Instrumente ablehnt, die aus Sicht des Verbands für einen marktgetriebenen Übergang notwendig wären. Dazu zählen verbindliche Abschaltperspektiven für Kupfernetze, zeitliche Leitplanken für die Migration sowie ein Initiativrecht von Wettbewerbern.

„Die Telekom lehnt zentrale wettbewerbliche Instrumente wie verbindliche Abschaltperspektiven, zeitliche Leitplanken oder ein Initiativrecht von Wettbewerbern ausdrücklich ab“, so Ufer weiter. Es fehle damit an Transparenz und Planungssicherheit für Zugangsnachfrager, die weiterhin Millionen DSL-Anschlüsse auf dem Netz der Telekom anmieten. Der Markt könne die Migration von Kupfer auf Glasfaser unter diesen Bedingungen nicht selbst vorantreiben.

Kupfer als dauerhaftes Wettbewerbsinstrument

Zwar betone die Telekom formal das Ziel eines langfristigen Übergangs zu Glasfaser, stelle zugleich aber den Weiterbetrieb des bestehenden Kupfer- beziehungsweise FTTC-Netzes als wirtschaftlich sinnvoll dar. Aus Sicht des VATM wird Kupfer damit nicht als Übergangstechnologie behandelt, sondern strategisch abgesichert.

„Das kupferbasierte FTTC-Netz wird damit nicht als auslaufende Übergangstechnologie behandelt, sondern als dauerhaftes Wettbewerbsinstrument abgesichert“, erläutert Ufer. Der notwendige Migrationsdruck hin zu Glasfaser bis in Gebäude und Wohnungen werde dadurch systematisch reduziert.

Besonders kritisch sieht der Verband die kategorische Ablehnung politisch oder regulatorisch festgelegter Abschalttermine. Die Entscheidung über den Fortbestand alter Netze solle allein beim marktmächtigen Netzbetreiber liegen. Selbst volkswirtschaftliche Gutachten, die einen beschleunigten Glasfaserausbau empfehlen, würden von der Telekom in Frage gestellt.

Investitionen sinken, Wettbewerb verliert an Dynamik

Der VATM verweist in seiner Stellungnahme auch auf aktuelle Marktzahlen der Bundesnetzagentur. Demnach lagen die Investitionen in Sachanlagen im Telekommunikationsmarkt im ersten Halbjahr 2025 bei 6,4 Milliarden Euro und damit 8,6 Prozent unter dem Vorjahreswert. Sowohl die Wettbewerber als auch die Deutsche Telekom verzeichneten Rückgänge.

„Die Entwicklung belegt unsere These eindrucksvoll: Zieht sich der Wettbewerb zurück, gibt es keinen schnellen Glasfaserausbau in Deutschland“, so Ufer. Die Telekom investiere nur dann in größerem Umfang, wenn Konkurrenten entsprechenden Druck ausübten. Ohne klare regulatorische Signale drohe der Ausbau weiter an Dynamik zu verlieren.

Einordnung: Fronten verhärten sich

Die Stellungnahme des VATM reiht sich in eine seit Jahren andauernde Auseinandersetzung um den richtigen Weg der Glasfaser-Migration ein. Während Wettbewerber auf verbindliche Rahmenbedingungen und klare Migrationspfade drängen, setzt die Telekom auf einen von ihr selbst gesteuerten, langfristigen Übergang.

Der Tonfall des Verbands zeigt, dass sich die Fronten eher verhärten als annähern. Für Politik und Regulierung erhöht sich damit der Druck, zu entscheiden, ob der Glasfaserausbau weiterhin primär dem Markt überlassen bleibt oder ob verbindlichere Vorgaben notwendig werden, um den Abschied vom Kupfernetz tatsächlich zu beschleunigen.

Neueste Beiträge

Pascom bringt KI-Telefonassistent Pia in den Regelbetrieb
Nach einer Testphase macht Pascom seinen KI-Telefonassistenten Pia nun für alle Kunden verfügbar. Der Voice Agent kann Gespräche führen, Informationen auswerten und abhängig vom Anliegen weitere Schritte anstoßen.
3 Minuten
30. Sep 2026
Expert startet mit Payback und baut KI im Handel aus
Kundenbindung, digitale Vertriebswege und Künstliche Intelligenz stehen im Mittelpunkt der weiteren Ausrichtung von Expert. Auf der Hauptversammlung in Göttingen kündigte die Kooperation unter anderem den Start von Payback an und gab einen Einblick in ihre Pläne für das laufende Geschäftsjahr.
4 Minuten
29. Sep 2026
Praxis statt Hype: KI in der Kommunikation auf der communicate
KI verspricht, Kommunikationsflüsse zu entlasten und interne Prozesse zu beschleunigen. Wie viel davon im Alltag trägt, zeigt Sebastian Saeger, Partner Development Manager bei Wildix, in einem Vortrag auf der communicate.
2 Minuten
TH-Newsletter-Web-1920x1080.jpg

Die Top-News des Tages direkt aus der Redaktion

mit dem Telecom Handel Newsletter

Das könnte Sie auch interessieren

Das sind die Smartphone-Bestseller des zweiten Quartals
Counterpoint Research hat wieder Liste der zehn weltweit am häufigsten verkaufen Smartphones veröffentlicht. Darunter finden sich jeweils fünf Modelle von Apple und fünf von Samsung, die Konkurrenten gehen leer aus.
2 Minuten
27. Aug 2026
Das sind die Smartphone-Bestseller des ersten Quartals
Fünfmal Samsung, viermal Apple und einmal Xiaomi: Die Marktforscher von Counterpoint Research haben die weltweit im ersten Quartal des Jahres am häufigsten verkauften Smartphones ermittelt.
2 Minuten
7. Mai 2026
Eine Ära im Vodafone-Vertrieb endet: Armin Heddenhausen geht
Mit Armin Heddenhausen verliert Vodafone eine der langjährigsten und bekanntesten Führungskräfte im indirekten Vertrieb. Über viele Jahre prägte er die Zusammenarbeit mit Fachhandel, Distribution und Vertriebspartnern. Seine berufliche Zukunft lässt er zunächst offen.
3 Minuten
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige