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Komsa und der britische Distributor Westcoast fusionieren

Der TK-Distributor Komsa und der britische IT-Distributor Westcoast haben eine enge strategische Partnerschaft beschlossen. Durch die Übernahme der Firmenanteile von Komsa durch Westcoast entsteht Europas größter ITK-Distributor in Familienbesitz.

Komsa-CEO Pierre-Pascal Urbon übernimmt zukünftig auch die Position des Chairman of the Board of Directors von Westcoast

© (Quelle: Komsa)

Diese Nachricht wird nicht nur in der deutschen Distributionslandschaft für Aufsehen sorgen: Der britische Anbieter Westcoast übernimmt in mehreren Schritten Komsa. Damit entsteht der größte europäische ITK-Distributor, der sich noch im Familienbesitz befindet. 

Seitdem Pierre-Pascal Urbon das Ruder bei Komsa übernommen hat, betont er die Wichtigkeit der Internationalisierung des Distributors. „Wir sind zwar Partner der globalen Telekommunikationsmarken und haben in den vergangenen zwei Jahren unseren Umsatz um 25 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro steigern können“, so Urbon. Doch sei dieses Wachstum endlich, vor allem in einer aktuell schwierigen Marktsituation und einer sich verändernden Struktur. „5G wird vieles verändern, die Verbindung von Cloud- und Voice-Diensten hat auch durch Corona rasant zugenommen und IT und TK wachsen jetzt schneller und intensiver zusammen, als dies noch in den vergangenen Jahren der Fall war.“ Die Entwicklung habe sich also beschleunigt, und Komsa stoße hier an seine Grenzen – vor allem im Bereich IT.

Gleichzeitig sei zu beobachten, dass alle Hersteller unter deutlichem Kostendruck stünden – und dadurch immer häufiger paneuropäisch agierten. „Produkte werden für Europa entwickelt, der Vertrieb wird für Europa aufgestellt. Einzelne Länder spielen für die Hersteller zunehmend eine untergeordnete Rolle“, so Urbon weiter. Diese Verbindung, das Zusammenwachsen von TK und IT und die zunehmend europäische Strategie der Hersteller führe dazu, dass die Märkte volatiler und damit unberechenbarer für einen Distributor würden, der seine Wurzeln in der TK und in Deutschland habe. Die Option, mit eigenen Mitteln die Internationalisierung voranzutreiben – Komsa ist immerhin seit vielen Jahren in Polen aktiv – schließt Urbon aus. „Die Erfahrung in Polen hat uns auch gezeigt, dass es viel zu lange dauert, andere Märkte zu erschließen. Und diese Zeit haben wir nicht, denn der Bedarf im Markt entsteht jetzt.“

Die Konsequenz ist der Merger mit dem britischen IT-Distributor Westcoast, der hierzulande weitgehend unbekannt ist. Das Unternehmen ist im Vereinigten Königreich, Irland und Frankreich aktiv, und es ist – ebenso wie Komsa – in Familienbesitz. Der Gründer, Joe Hemani, leitet heute (noch) das Unternehmen, das im vergangenen Jahr einen Umsatz von 4,1 Milliarden Euro machte – also deutlich mehr als die Komsa AG. Legt man die Umsätze zusammen, so erwirtschafteten beide Unternehmen im vergangenen Jahr 5,5 Milliarden Euro und beschäftigen aktuell gemeinsam über 2.200 Mitarbeiter – rund 1.400 stehen dabei bei Westcoast auf der Gehaltsliste.

Die Schwerpunkte von Westcoast sind im Cloud-, Workplace- und Security-Geschäft. Westcoast hat nach eigenen Angaben Zugang zu über 200 Technologiepartnern, darunter Microsoft, HP, Dell, Meta, Google, Samsung und Apple. „Vor allem im Bereich Cloud ist uns Westcoast um Jahre voraus“, betont Urbon. Das sei ein Know-how, von dem auch Deutschland profitieren könne. „Und wir werden für Hersteller, die einen paneuropäischen Vertriebsansatz haben, auf einmal interessant“, erklärt Urbon im Gespräch mit Telecom Handel.

Konsequenzen für den deutschen Handel

Mit der Fusion möchte Urbon das Kunststück schaffen, die Produkt- und Servicepalette für beide Unternehmen zu erweitern, ohne Abteilungen oder andere Bereiche zusammenzulegen. „Kosteneinsparungen durch Synergieeffekte und damit verbundenem Personalabbau wird es nicht geben“, versichert der CEO und CFO.

In einzelnen Bereichen, wie beispielsweise im Einkauf, sollen die Teams künftig gemeinsam auftreten und verhandeln – damit beide Unternehmen von verbesserten Konditionen profitieren können. Händler in den jeweiligen Ländern sollen zudem auf ein breiteres Produktportfolio zugreifen können – bei Westcoast bezieht sich das vor allem auf Mobilfunklösungen und TK- und UCC-Produkte sowie auf das Dienstleistungsgeschäft Device as a Service (DaaS), das Komsa hierzulande seit geraumer Zeit forciert. Westcoast wiederum bringt IT- und Cloud-Kompetenz ein.

Die schwierige wirtschafts- und geopolitische Situation – Großbritannien gehört seit dem Brexit nicht mehr dem EU-Binnenmarkt an und leidet derzeit unter den turbulenten Machtverhältnissen in der Regierung – spielt für Urbon dabei eine eher untergeordnete Rolle. „Natürlich wäre mehr Stabilität von Vorteil, doch diese Fusion ist getrieben aus dem Gedanken der Marktperspektive. Es geht darum, was beide an zusätzlichem Geschäft generieren können.“ Er schränkt aber auch die Erwartung an schnelle Erfolge ein: „Es wird nicht alles sofort passieren. Die Erfolge werden zu Fuß kommen und nicht geritten. Bis sich die ersten Effekte zeigen, wird es noch ein wenig dauern. Aber von der Logik her sind wir mit 5,5 Milliarden Umsatz einer der Großen in Europa.“

Fusion auch im Zeichen der Nachfolgeregelung

Im Zuge des Mergers werden auch die Besitzverhältnisse neu geregelt und das Management neu aufgestellt. Westcoast erwirbt im ersten Schritt 49,9 Prozent der Komsa-Aktien. Die übrigen Aktien der Komsa-Gründer werden schrittweise bis 2025 übernommen. Aufsichtsratsvorsitzende bleibt Kerstin Grosse, die Ehefrau des Firmengründers. Gunnar Grosse und Jürgen Unger legen nach dem Closing ihre Aufsichtsratsmandate nieder. Vertreter von Westcoast werden sich nach dem Closing, das frühestens im Januar erwartet wird, als neue Aufsichtsräte zur Wahl stellen.

Der Komsa-Vorstand bleibt unverändert. Pierre-Pascal Urbon wird nach dem Closing jedoch zusätzlich zu seinen Funktionen als CEO und CFO der Komsa AG Chairman of the Board of Directors von Westcoast und übernimmt damit die Aufgaben des Westcoast-Gründers Joe Hemani. Komsa wird auch nach der Fusion in Familienbesitz bleiben – nur ist der Eigentümer dann kein gebürtiger Schwede mehr, sondern eben ein Brite.

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