KI-Assistenten könnten künftig einen Großteil der Einkäufe übernehmen
Künstliche Intelligenz könnte in den kommenden Jahren eine deutlich größere Rolle beim Einkaufen spielen. 49 Prozent der Verbraucher in Deutschland halten es für wahrscheinlich, dass KI-Assistenten innerhalb der nächsten fünf Jahre einen Großteil ihrer Besorgungen übernehmen. Das zeigt eine repräsentative Studie von Riverty und der Finanztechnologie-Plattform Adyen.
Das Konzept des Agentic Commerce ist dabei vielen Verbrauchern bereits bekannt: 67 Prozent der Befragten geben an, das Prinzip von KI-Einkaufsagenten zu verstehen. Bei der grundsätzlichen Bewertung zeigt sich allerdings ein gemischtes Bild. Jeweils rund ein Viertel steht dem Einsatz solcher Systeme eindeutig positiv beziehungsweise negativ gegenüber, während sich die übrigen Befragten eher abwartend oder skeptisch zeigen.
Eine zentrale Voraussetzung für die Akzeptanz ist die Kontrolle über die Entscheidungen der KI. In einer ersten Befragung von Riverty und Adyen im Dezember 2025 hatten 93 Prozent angegeben, Entscheidungen eines KI-Einkaufsassistenten jederzeit einsehen oder stoppen können zu wollen.
Die aktuelle Untersuchung konkretisiert diese Erwartungen. Verbraucher möchten Käufe beispielsweise manuell bestätigen, Benachrichtigungen erhalten, Budgets festlegen und Transaktionen gegebenenfalls abbrechen können. Für 21 Prozent ist die eigene Kontrolle der wichtigste Faktor für das Vertrauen in einen KI-Einkaufsassistenten. 19 Prozent nennen den Schutz vor Betrug, 14 Prozent den Datenschutz. Gleichzeitig erklärt knapp ein Fünftel der Befragten, einer KI beim Einkaufen grundsätzlich nicht vertrauen zu wollen.
Entsprechend zurückhaltend sind viele Verbraucher bei vollständig automatisierten Einkäufen. 48 Prozent würden einen KI-Assistenten lediglich für die Produktrecherche und für Empfehlungen einsetzen. Anschließend möchten sie auf die Produktseite des Händlers wechseln und die Kaufentscheidung selbst treffen.
16 Prozent könnten sich dagegen vorstellen, einen KI-Agenten nach einer Beauftragung per Chat direkt einkaufen zu lassen, ohne zuvor auf die Produktseite des Händlers weitergeleitet zu werden. Elf Prozent würden zumindest kleinere Einkäufe vollständig autonom von der KI erledigen lassen. Ein Viertel der Befragten lehnt jegliche Entscheidungsfreiheit für KI-Systeme beim Einkauf ab. In der Altersgruppe ab 45 Jahren ist dieser Anteil höher.
Lebensmittel vor Elektronik
Unterschiede gibt es auch zwischen den Produktgruppen. Am ehesten würden Verbraucher einer KI beim Einkauf von Lebensmitteln und Haushaltswaren vertrauen. 33 Prozent können sich dies vorstellen. Bei Abonnements wie Streaming-Diensten oder Fitnessstudio-Mitgliedschaften sind es 25 Prozent, beim Ticketkauf 24 Prozent und im Bereich Mobilität 23 Prozent. Mode und Kleidung sowie Elektronik erreichen jeweils 21 Prozent. Damit zeigt sich eine größere Bereitschaft, KI-Assistenten bei wiederkehrenden oder vergleichsweise standardisierten Einkäufen einzusetzen als bei komplexeren Kaufentscheidungen.
Auch beim verfügbaren Budget sind die Verbraucher vorsichtiger geworden. 39 Prozent würden einem KI-Assistenten derzeit ein monatliches Einkaufsbudget von mindestens 51 Euro anvertrauen. Bei der ersten Befragung im Dezember 2025 waren es noch 50 Prozent.
Eine wichtige Rolle spielt zudem die Zahlungsart. Wenn eine KI den Einkauf ausführt, bevorzugen 51 Prozent der Befragten den Rechnungskauf. Mit deutlichem Abstand folgen digitale Wallets, für die sich 15 Prozent entscheiden würden. In der ersten Befragung Ende 2025 waren es hier noch zehn Prozent.
Für Händler dürfte Agentic Commerce auch deshalb relevant werden, weil KI-Assistenten künftig einen Teil des direkten Kontakts zum Kunden übernehmen könnten. Die Untersuchung zeigt allerdings, dass die Mehrheit der Verbraucher die Beziehung zum Händler nicht vollständig an die KI delegieren möchte.
Menschlicher Support nötig
56 Prozent wünschen sich bei Problemen mit einem Produkt oder einer Lieferung weiterhin direkten menschlichen Support. 41 Prozent legen Wert auf Transparenz darüber, welche Daten über sie gespeichert werden. 30 Prozent möchten exklusive Angebote oder Rabatte für weitere Bestellungen direkt vom Händler erhalten, 23 Prozent interessieren sich für personalisierte Produkttipps und Updates. Lediglich sechs Prozent wünschen überhaupt keinen direkten Kontakt mehr zum Händler.
Für Händler dürfte es damit beim Einsatz von KI-Einkaufsagenten nicht allein darum gehen, ihre Produkte für solche Systeme auffindbar und kaufbar zu machen. Gleichzeitig müssen sie Möglichkeiten schaffen, bei Service, Bezahlung und Kundenkommunikation weiterhin direkt mit den Verbrauchern in Kontakt zu bleiben.
Für die Studie befragte das Marktforschungsunternehmen Appinio im Auftrag von Riverty und Adyen vom 14. bis 17. August 2026 insgesamt 1.000 Personen in Deutschland, darunter jeweils 500 Frauen und Männer. Eine erste Befragung zum Thema war Anfang Dezember 2025 durchgeführt worden.