Telefónica Deutschland im Kerngeschäft unter Druck

Corona sorgt für Gegenwind

Experte Ulrich Rathe vom Analysehaus Jefferies sprach von einem stärkeren Corona-Gegenwind im Dienstleistungsgeschäft als zuvor erwartet. Die um zwei Prozent verfehlten Erwartungen beim operativen Ergebnis seien jedoch mehrheitlich auf eine Vergleichszahlung mit einem „Partner“ zurückzuführen. Rathe nimmt an, dass es sich hier um 1&1 Drillisch handelt.
Auch bei den Investitionen zwang die Pandemie den Konzern laut Haas zum Umschichten. Demnach habe man Investitionen in das zweite Halbjahr verschoben, jedoch seien auch ohne Corona in der zweiten Jahreshälfte mehr Ausgaben vorgesehen gewesen.
Den weiteren Ausbau des 5G-Netzes sieht der Konzern auch im Falle potenzieller Beschränkungen für den chinesischen Zulieferer Huawei als gesichert an. In Großbritannien wurde Huawei zuletzt wegen Spionageverdachts vom weiteren Netzausbau ausgeschlossen. In Deutschland stehe die Zertifizierung der Bundesregierung laut Haas jedoch noch für alle Hersteller aus. Für den Fall der Fälle habe man sich jedoch vertraglich abgesichert. Für den Ausbau des Kernnetzes sei ohnehin der Huawei-Konkurrent Ericsson <beauftragt worden.
Unter dem Strich reduzierte Telefonica Deutschland den Nettoverlust von 49 Millionen Euro vor einem Jahr auf 18 Millionen Euro. Langsam laufen die erhöhten Abschreibungen aus, die das Unternehmen unter anderem für die vor rund 20 Jahren ersteigerten UMTS-Lizenzen vornehmen muss.
Die Bundesnetzagentur hatte dem Unternehmen wegen des lahmen Netzausbaus kürzlich ein etwaiges Zwangsgeld angedroht. Wie Anfang Juli bekannt wurde, hatte das Unternehmen die Ausbauverpflichtungen beim Ausbau des 4G-Netzes (LTE) trotz Nachholfrist bis Ende Juni nicht rechtzeitig erfüllt. Sollten die fehlenden LTE-Masten nicht bis Ende Juli errichtet sein, drohte demnach eine Zahlung von 600 000 Euro. Inzwischen hat Telefonica das Problem nach eigener Darstellung gelöst und die fehlenden LTE-Standorte errichtet.
Die Verhandlungen mit 1&1 Drillisch um ein sogenanntes nationales Roaming für dessen künftiges geplantes 5G-Netz gehen derweil weiter. Man sei in "konstruktiven Verhandlungen", hieß es von Konzernchef Haas. Die United-Internet-Tochter verhandelt mit den deutschen Netzbetreibern über die Konditionen, damit in der Aufbauphase des eigenen Netzes die Netze anderer Betreiber mitgenutzt werden können. Ein eigenes Netz hat Drillisch bisher nicht.
Für den Rest des Jahres zeigten sich die Münchner jedoch optimistisch. „Die wesentlichen Effekte von Corona haben wir hinter uns gelassen“, sagte Haas im Rahmen der Telefonkonferenz. Auch sei das reine Tagesgeschäft ohne die Pandemie-bedingten Effekte intakt und wachse stabil. Den Finanzausblick bestätigte der Konzern daher. Umsatz und operatives Ergebnis für 2020 sollen demnach im Jahresvergleich gleich bleiben bis leicht wachsen. Die Investitionsquote erwartet Telefonica Deutschland zudem mit 17 bis 18 Prozent mehrere Prozentpunkte höher als im Vorjahr.



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