Komsa und der britische Distributor Westcoast fusionieren

Konsequenzen für den deutschen Handel

Mit der Fusion möchte Urbon das Kunststück schaffen, die Produkt- und Servicepalette für beide Unternehmen zu erweitern, ohne Abteilungen oder andere Bereiche zusammenzulegen. „Kosteneinsparungen durch Synergieeffekte und damit verbundenem Personalabbau wird es nicht geben“, versichert der CEO und CFO.
In einzelnen Bereichen, wie beispielsweise im Einkauf, sollen die Teams künftig gemeinsam auftreten und verhandeln – damit beide Unternehmen von verbesserten Konditionen profitieren können. Händler in den jeweiligen Ländern sollen zudem auf ein breiteres Produktportfolio zugreifen können – bei Westcoast bezieht sich das vor allem auf Mobilfunklösungen und TK- und UCC-Produkte sowie auf das Dienstleistungsgeschäft Device as a Service (DaaS), das Komsa hierzulande seit geraumer Zeit forciert. Westcoast wiederum bringt IT- und Cloud-Kompetenz ein.
Die schwierige wirtschafts- und geopolitische Situation – Großbritannien gehört seit dem Brexit nicht mehr dem EU-Binnenmarkt an und leidet derzeit unter den turbulenten Machtverhältnissen in der Regierung – spielt für Urbon dabei eine eher untergeordnete Rolle. „Natürlich wäre mehr Stabilität von Vorteil, doch diese Fusion ist getrieben aus dem Gedanken der Marktperspektive. Es geht darum, was beide an zusätzlichem Geschäft generieren können.“ Er schränkt aber auch die Erwartung an schnelle Erfolge ein: „Es wird nicht alles sofort passieren. Die Erfolge werden zu Fuß kommen und nicht geritten. Bis sich die ersten Effekte zeigen, wird es noch ein wenig dauern. Aber von der Logik her sind wir mit 5,5 Milliarden Umsatz einer der Großen in Europa.“

Fusion auch im Zeichen der Nachfolgeregelung

Im Zuge des Mergers werden auch die Besitzverhältnisse neu geregelt und das Management neu aufgestellt. Westcoast erwirbt im ersten Schritt 49,9 Prozent der Komsa-Aktien. Die übrigen Aktien der Komsa-Gründer werden schrittweise bis 2025 übernommen. Aufsichtsratsvorsitzende bleibt Kerstin Grosse, die Ehefrau des Firmengründers. Gunnar Grosse und Jürgen Unger legen nach dem Closing ihre Aufsichtsratsmandate nieder. Vertreter von Westcoast werden sich nach dem Closing, das frühestens im Januar erwartet wird, als neue Aufsichtsräte zur Wahl stellen.
Der Komsa-Vorstand bleibt unverändert. Pierre-Pascal Urbon wird nach dem Closing jedoch zusätzlich zu seinen Funktionen als CEO und CFO der Komsa AG Chairman of the Board of Directors von Westcoast und übernimmt damit die Aufgaben des Westcoast-Gründers Joe Hemani. Komsa wird auch nach der Fusion in Familienbesitz bleiben – nur ist der Eigentümer dann kein gebürtiger Schwede mehr, sondern eben ein Brite.




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