So verhindern Sie Mitarbeiter-Betrug am PoS

Nur wenig Unterstützung von den Netzbetreibern

Gibt es denn auch Unterstützung von den Netzbetreibern? Diese wissen doch im Grunde zuerst, ob ein Vertrag auch ‚gelebt‘ wird oder ob er nur zur Erschleichung von Hardware dient. Und wenn ein Kunde die Rechnung nicht bezahlt, kommt es ja ohnehin zu Provisionsrückbelastungen, die Daten werden also erfasst ...
Demmer: Leider noch zu wenig. Ich würde mir hier auch mehr Unterstützung wünschen, vor allen Dingen das Weiterleiten von Frühindikatoren. Schließlich können die Netzbetreiber sehr schnell feststellen, ob der Kunde telefoniert oder Daten verbraucht, das wären wichtige Hinweise für uns. Und schon nach weniger als vier Wochen sehen die Netzbetreiber ja auch, ob die Rechnung bezahlt wird. Leider bekommen wir diese Meldungen erst sehr spät, teilweise sogar erst nach mehreren Monaten.
Die Netzbetreiber argumentieren hier wahrscheinlich mit Datenschutzrichtlinien, die sie einhalten müssen ...
Demmer: Sicher, aber sie müssen uns ja nicht konkrete Personendaten nennen, uns würden ja schon Hinweise auf Auffälligkeiten oder Unregelmäßigkeiten an einem Ort oder in einem Zeitraum helfen, doch auch diese bekommen wir teilweise relativ spät. Deshalb begrüßen wir bei diesem Thema auch die Strategie vom Smartphone-Hersteller Apple …

Wie kann Apple Sie denn beim Thema Fraud unterstützen?
Demmer: Apple hat ein System aufgebaut, mit dem gestohlene Hardware sehr schnell erkannt wird. Wird beispielsweise ein Gerät mit IMEI-Nummer bei der Polizei als gestohlen gemeldet und die Polizei meldet diese bei Apple, so informiert der Hersteller wiederum die Polizei, sobald das Gerät bei iTunes angemeldet wird. Die Polizei kann so Dieben deutlich leichter auf die Schliche kommen, da der Kunde ja weiß, wo er die Hardware gekauft hat. Google könnte das theoretisch auch so handhaben, macht es aber leider nicht.

Und kommt es auch vor, dass Mitarbeiter schlicht die Lager leer räumen?
Demmer: Leider ja, wir hatten erst im Frühjahr so einen Fall. Am Freitag sprach ich noch mit dem Verkäufer, am Samstag hat er nach Ladenschluss Hardware im Wert mehrerer tausend Euro einfach so mit der Sporttasche aus dem Shop getragen. Er konnte dabei durch eine Überwachungskamera gefilmt werden. Die Polizei ist der Sache auf der Spur.

Und welche Konsequenzen haben Sie aus diesem Diebstahl gezogen?
Demmer: Wir haben die Lagerbestände in den Läden nochmals reduziert beziehungsweise planen heute bedarfsgerechter. Das hat natürlich auch Nachteile, manchmal müssen die Verkäufer ein Gerät für den Kunden bestellen und es ist erst am nächsten Tag im Shop. Doch damit reduzieren wir unser Risiko.

Gibt es nicht auch Versicherungen für diese Betrugsvorfälle?
Demmer: Doch, die gibt es schon. Die Relation Kosten zu Nutzen passt dabei aber nicht. Durch die genannten Maßnahmen konnten wir unsere Risiken aber deutlich reduzieren.




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