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Lesedauer 3 Min.

Einzelhandel bleibt Zugpferd der Innenstadt

Die Studie „Handelsstandort – Innenstadt 2025“ zeigt: Einkaufen ist der zentrale Besuchsanlass – vor Gastronomie, Dienstleistungen oder Freizeit. Kommunen, Handel und Stadtmarketing erhalten damit konkrete Ansatzpunkte zur Stärkung ihrer Stadtzentren.
© (Quelle: Rid Stiftung)

Leerstände, Online-Konkurrenz, Mobilitätsdebatten – viele Innenstädte kämpfen mit sinkender Attraktivität. Doch eine neue Untersuchung macht klar: Der stationäre Einzelhandel ist nach wie vor der zentrale Anker. Laut der „Bayernstudie – Handelsstandort Innenstadt 2025“ kommen rund drei Viertel der Befragten (74,8 Prozent) zum Einkaufen in die Innenstadt. Das macht den Handel zur wichtigsten Nutzung vor Gastronomie (66,3 Prozent), dem Stadtbummel oder Treffen mit anderen (53,7 Prozent) sowie Arzt- und Gesundheitsdienstleistungen (52,4 Prozent).

Die Studie, erstellt von der CIMA Beratung + Management im Auftrag des Handelsverbands Bayern e.V. und der Günther Rid Stiftung, liefert eine breite empirische Basis und zeigt: Der Einzelhandel ist nicht nur Frequenzbringer, sondern Voraussetzung für lebendige, wirtschaftlich stabile Innenstädte.

Erreichbarkeit prägt Kaufverhalten

Ein zentrales Thema: die Erreichbarkeit. Denn wie Menschen in die Stadt kommen, beeinflusst unmittelbar ihr Ausgabeverhalten. Pkw-Nutzerinnen und -Nutzer geben laut Studie durchschnittlich 167 Euro pro Innenstadtbesuch aus. Das sind 10 bis 30 Euro mehr als andere Gruppen. Zu Fuß Gehende liegen bei 157 Euro, Radfahrende bei 146 Euro, ÖPNV-Nutzende bei 137 Euro. Der größte Teil entfällt auf den Einzelhandel – hier erreichen Autofahrer im Schnitt 86,50 Euro pro Besuch, deutlich mehr als alle anderen Verkehrsgruppen.

Diese Zahlen haben direkte Konsequenzen für die Planung vor Ort. In vielen Städten, gerade im ländlichen Raum, ist die Parkplatzsituation ein sensibles Thema. Wer den Autoverkehr zu stark einschränkt, riskiert Kaufkraftverluste – auch wenn die Diskussion um nachhaltige Mobilität wichtig bleibt. Städte müssen daher kluge Lösungen finden, die Aufenthaltsqualität, Zugänglichkeit und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit in Einklang bringen.

Stärken und Schwächen des Angebots

Auch zur Qualität der Innenstadtangebote liefert die Studie Rückmeldungen: Die bewerteten Kategorien reichen von Gastronomie über Dienstleistungen, Shopping und Kultur bis hin zu Bildungseinrichtungen. Am besten schnitten Gastronomie (Note 2,30), Dienstleistungen (2,44), Gesundheitsangebote (2,60) und Shopping (2,65) ab. Schwächer wurden Bildungseinrichtungen, Bibliotheken und Sportangebote bewertet, was allerdings auch mit deren geringerer Relevanz für den Innenstadtbesuch zusammenhängen dürfte. Die Erkenntnis: Die Aufenthaltsqualität und Angebotsvielfalt müssen sich an den realen Besuchsanlässen orientieren. Wer in die Stadt kommt, will vor allem einkaufen, essen oder Dienstleistungen nutzen. Freizeitangebote wie Kultur oder Events sind ergänzende Magneten, aber nicht der Haupttreiber für die Frequenz.

Fazit: Handel als tragende Säule

„Ohne Einzelhandel fehlt der Innenstadt die Lebendigkeit“, sagt Michaela Pichlbauer, Vorständin der Günther Rid Stiftung. Innenstädte seien komplexe Systeme, in denen Handel, Gastronomie, Dienstleistungen und öffentliche Räume zusammenwirken müssten. Die Bayernstudie liefert dafür konkrete Ansatzpunkte. Die Herausforderung bleibt: Der stationäre Einzelhandel kann seine Rolle nur dann langfristig behaupten, wenn er Teil eines integrierten Stadtentwicklungskonzepts ist. Dazu gehören eine gute Erreichbarkeit, flexible Mobilitätsangebote, attraktive Räume und nicht zuletzt ein klares politisches Bekenntnis zur Innenstadt als Wirtschaftsstandort.

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