Rückgang im Handel: Zahl der Geschäfte fällt unter 300.000
Der deutsche Einzelhandel steht weiter vor einem strukturellen Rückgang. Wie der Handelsverband Deutschland mitteilt, werden im laufenden Jahr netto rund 4.900 Geschäfte verschwinden. Damit würde die Gesamtzahl der Standorte bis Jahresende auf etwa 296.600 sinken und erstmals unter die Schwelle von 300.000 fallen. Noch vor zehn Jahren lag die Zahl bei rund 366.800 Geschäften.
Der aktuelle Rückgang reiht sich in eine Entwicklung ein, die seit Jahren anhält. Bereits 2025 war ein Minus von 4.500 Geschäften verzeichnet worden, in den Corona-Jahren lag der Wert zeitweise sogar deutlich höher. Eine nachhaltige Trendwende ist bislang nicht erkennbar.
„Seit zehn Jahren verlieren wir in Deutschland jährlich mindestens 4.500 Geschäfte oder mehr. Für 2026 verheißt der Verlust von 4.900 Geschäften nichts Gutes“, sagt HDE-Präsident Alexander von Preen. Viele Innenstädte litten bereits heute sichtbar unter Leerständen. „So kann und darf es nicht weitergehen. Der Einzelhandel als Rückgrat lebendiger Innenstädte braucht bessere Rahmenbedingungen.“
Handel bleibt zentral für Innenstädte
Wie groß diese Bedeutung ist, zeigt eine weitere aktuelle HDE-Studie zur Wahrnehmung von Innenstädten. Demnach fühlen sich 78 Prozent der Menschen grundsätzlich sicher in den Stadtzentren. Besonders hoch ist das Sicherheitsgefühl dort, wo Einzelhandel präsent ist: 90 Prozent der Befragten sehen Geschäfte als sichere Orte.
Die Zahl der Einzelhandelsgeschäfte in Deutschland geht seit Jahren kontinuierlich zurück und dürfte 2026 erstmals unter 300.000 fallen
HDEAuch Gastronomie (89 Prozent) und Einkaufszentren (84 Prozent) tragen zur positiven Wahrnehmung bei. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse, dass Leerstände und ein vernachlässigtes Stadtbild das Sicherheitsgefühl deutlich beeinträchtigen. 73 Prozent der Befragten sehen in leerstehenden Ladenflächen einen negativen Einfluss, 68 Prozent bewerten diesen sogar als stark oder sehr stark.
„Lebendige Innenstädte werden als sicher wahrgenommen. Dabei spielt der Einzelhandel nachweislich die tragende Rolle“, so von Preen. Beleuchtete Schaufenster und präsentes Personal würden als wichtige Faktoren für Sicherheit und Aufenthaltsqualität gelten.
Strukturwandel mit Folgen für Städte
Die beiden Entwicklungen – sinkende Zahl an Geschäften und gleichzeitig hohe Bedeutung des Handels für die Attraktivität von Innenstädten – verschärfen die Herausforderungen für Städte und Kommunen. Laut HDE hat sich das Sicherheitsgefühl bei 27 Prozent der Befragten in den vergangenen zwölf Monaten verschlechtert.
Als Ursachen nennt der Verband neben Leerständen auch ein insgesamt schwaches Konsumklima sowie steigende Kosten für Energie und Personal. Der HDE fordert daher politische Maßnahmen zur Entlastung der Branche, etwa bei Stromkosten und Lohnnebenkosten. Zudem müssten Kommunen und Immobilienbesitzer stärker auf flexible Nutzungskonzepte reagieren, um Leerstände zu vermeiden.
„Leerstand nutzt niemandem“, so von Preen. Neben besseren Rahmenbedingungen spricht sich der Verband auch für eine stärkere Förderung von Neugründungen im Einzelhandel aus, etwa durch Zuschüsse, reduzierte Mieten oder Unterstützung bei Digitalisierung und Marketing.
Insgesamt zeigt sich ein klarer Befund: Der Rückgang der stationären Handelsflächen ist kein kurzfristiges Phänomen, sondern Ausdruck eines langfristigen Strukturwandels. Gleichzeitig bleibt der stationäre Handel ein zentraler Faktor für die Funktion und Wahrnehmung von Innenstädten. Die Entwicklung stellt damit nicht nur die Branche selbst, sondern auch Städte und Politik vor grundlegende Fragen zur zukünftigen Gestaltung urbaner Räume.