Sprachaufzeichnungen 06.08.2019, 09:45 Uhr

Amazon lässt Alexa-Mitschnitte im Homeoffice auswerten

Allein die Tatsache, dass Mitarbeiter von Amazon, Apple und Google die Aufnahmen von Sprachassistenten anhören, sorgte bei Nutzern schon für Aufruhr. Jetzt heißt es, dass Amazon-Mitarbeiter teils zu Hause am Küchentisch auswerten.
(Quelle: Elaine Tompson/AP/dpa )
In der Debatte um die Auswertung von Nutzerdaten aus Sprachassistenten ist Amazons Dienst Alexa erneut in den Fokus geraten.
Laut einem Bericht der "Welt am Sonntag" sollen befristete Angestellte teilweise von zu Hause aus Daten aus Amazons Sprachassistentin Alexa auswerten. "Einigen Mitarbeitern ist es gestattet, von anderen Orten aus zu arbeiten", erklärte Amazon dazu. "Dabei gelten strenge Sicherheitsmaßnahmen und Richtlinien, an die sich jeder Mitarbeiter halten muss." Es sei auch eindeutig festgelegt, "dass Mitarbeiter niemals an öffentlichen oder nicht-autorisierten Orten arbeiten dürfen".
Seit diesem Wochenende bietet Amazon Alexa-Nutzern, die sich um ihre Daten sorgen, eine neue Option an: Sie können die Auswertung von Mitschnitten durch Mitarbeiter des Konzerns verhindern. In der Alexa-App findet sich nun ein Schalter dafür.

Kritik nimmt zu

In den vergangenen Wochen hatte es zunehmend Kritik daran gegeben, dass sich auch Menschen aufgezeichnete Fragmente von Unterhaltungen der Nutzer anhören und abtippen, um die Spracherkennung zu verbessern. Die jahrelange Praxis war den Nutzern bis vor wenigen Monaten weitestgehend unbekannt.
Nun weist die Alexa-App die Nutzer in einem Punkt in den Datenschutz-Einstellungen erstmals ausdrücklich darauf hin, die Sprachaufnahmen werden "möglicherweise bei der Entwicklung neuer Funktionen verwendet und hierbei manuell überprüft, um unsere Services zu verbessern". Davon sei nur ein "sehr kleiner Anteil" der Mitschnitte betroffen. Über dem Software-Schalter, der das ablehnt, platzierte Amazon einen Warnhinweis, dass das Ausschalten möglicherweise Funktionen einschränkt.
In Polen bewarb ein Zeitarbeits-Dienstleister die Jobs zur Auswertung von Alexa-Aufnahmen in inzwischen gelöschten Anzeigen der "Welt am Sonntag" zufolge als "Telearbeit im ganzen Land". Ein Zeitarbeiter sagte dem Blatt, er und viele seiner Kollegen arbeiteten vom Küchentisch aus. Amazon betonte: "Der Zugang zu internen Systemen wird streng kontrolliert und wir verfolgen eine Null-Toleranz-Politik wenn unsere Prozesse nicht befolgt werden." Alle Mitarbeiter nutzten «sichere, proprietäre Tools, um Alexa zu verbessern».
Dass Fragmente von Alexa-Aufnahmen auch von Menschen ausgewertet werden, war im Frühjahr durch einen Bericht des Finanzdienstes Bloomberg bekanntgeworden. Damals ging es um das Anhören der Aufnahmen bei einem Dienstleister in Rumänien.



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