O2 unter Druck nach 1&1-Verlust
Was sich im Laufe des Jahres abgezeichnet hatte, spiegelt sich nun klar in der Bilanz wider: Telefónica Deutschland muss ohne das frühere Wholesale-Volumen auskommen, und das hinterlässt deutliche Spuren: Der Umsatz sank 2025 um 3,8 Prozent auf 8,17 Milliarden Euro. Das bereinigte EBITDA ging um 8,2 Prozent auf 2,54 Milliarden Euro zurück. Besonders deutlich wurde die Entwicklung im vierten Quartal, als das operative Ergebnis 14,6 Prozent unter dem Vorjahreswert lag.
Ein ertragsstarker Block fällt weg
Der zentrale Faktor ist der Verlust des langjährigen Partners 1&1. Über Jahre hatte O2 Millionen Mobilfunkkunden für den Wettbewerber im eigenen Netz geführt. Dieses Wholesale-Geschäft war für Telefónica Deutschland vergleichsweise margenstark. Vertrieb, Marketing und Kundenbetreuung lagen beim Partner, während O2 die Netzinfrastruktur bereitstellte.
Mit der Migration dieser Kunden ins Vodafone-Netz ist dieses Volumen vollständig entfallen. Der Effekt trifft das Ergebnis stärker als den Umsatz. Großhandelserlöse tragen überdurchschnittlich zur Profitabilität bei – ihr Wegfall schlägt daher direkt auf die operative Marge durch.
Auch beim operativen Cashflow wird der Einschnitt sichtbar. Er ging im Gesamtjahr um 9,7 Prozent zurück, im vierten Quartal sogar um mehr als ein Drittel. Die Zahlen zeigen damit nicht nur einen Erlösrückgang, sondern eine veränderte Ertragsstruktur.
Parallel dazu reduzierte das Unternehmen seine Investitionen. Die CapEx sanken 2025 um 15,5 Prozent auf 964 Millionen Euro. Das ist weniger ein Zeichen von Investitionsstopp als Ausdruck einer stärkeren Kapitaldisziplin. Telefónica Deutschland priorisiert Effizienz und Cashflow-Stabilität in einem Umfeld, das weniger Spielraum für Volumenwachstum bietet. Diese Linie passt zur übergeordneten Konzernstrategie, die stärker auf Profitabilität und Kapitalallokation ausgerichtet ist als in früheren Expansionsphasen.
Das Kerngeschäft bleibt stabil
Ein differenzierteres Bild ergibt sich beim Blick auf das Endkundengeschäft. Im Mobilfunk-Vertragssegment meldete O2 im vierten Quartal erneut Nettozuwächse. Die Marke behauptet sich weiterhin im Wettbewerb eines weitgehend gesättigten deutschen Marktes. Der Preisdruck bleibt hoch, doch die Kundenbasis zeigt keine Erosion.
Damit entsteht eine zweigeteilte Entwicklung: Während das eigene Vertragskundengeschäft stabil läuft, fehlt ein ertragsstarker Wholesale-Baustein, der das Gesamtbild jahrelang gestützt hatte. Die rückläufigen Kennzahlen sind daher weniger Ausdruck operativer Schwäche im Privatkundengeschäft als Folge einer strukturellen Verschiebung.
Deutschland im Konzernvergleich
Im Vergleich zu anderen Kernmärkten des Konzerns fällt Deutschland 2025 zurück. Während Spanien moderates Wachstum verzeichnete und Brasilien deutlich zulegte, ist Deutschland der einzige große Markt mit rückläufigem Umsatz und sinkender Profitabilität. Das unterstreicht die besondere Ausgangslage: ein gesättigter Mobilfunkmarkt, intensiver Wettbewerb und begrenzte Wachstumsfelder. Der Verlust von 1&1 hat diese strukturellen Rahmenbedingungen verschärft.
In diese Phase fällt auch der bereits vollzogene Wechsel an der Unternehmensspitze. Der neue Vorstandsvorsitzende Santiago Argelich Hesse übernimmt ein Unternehmen, dessen Geschäftsmodell nach dem Wegfall des Wholesale-Volumens neu austariert werden muss. Der Führungswechsel ist damit weniger Reaktion auf ein einzelnes schwaches Quartal als Teil einer strategischen Neujustierung.
Die Bilanz 2025 markiert keinen operativen Absturz. O2 bleibt im Markt präsent, das Vertragskundengeschäft entwickelt sich stabil. Doch das Unternehmen steht vor der Aufgabe, eine veränderte Erlösstruktur dauerhaft zu tragen. Genau das macht dieses Geschäftsjahr zu einem Wendepunkt.