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Die Chinesen kommen: JD.com greift nach MediaMarkt und Saturn

Der chinesische OnlinehändlerJD.combietet vier Milliarden Euro für Ceconomy. Mit der Übernahme drängt erstmals ein chinesischer Tech-Gigant in den europäischen Einzelhandel vor.
© (Quelle: shutterstock / WDnet Creation)

Mit dem geplanten Einstieg von JD.com erlebt Europas Elektronikhandel den größten Umbruch seit Jahrzehnten. Der chinesische Onlinehändler bietet 4,60 Euro pro Aktie in bar für die Ceconomy AG, Muttergesellschaft von MediaMarkt und Saturn. Das entspricht einem Unternehmenswert von rund vier Milliarden Euro – und liegt 43 Prozent über dem volumengewichteten Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate.

Großaktionäre wie Haniel, Beisheim, Freenet und die Convergenta der Gründerfamilie Kellerhals, zusammen rund 32 Prozent, haben bereits verbindlich zugesagt. Die Kellerhals-Gruppe selbst behält mit rund 25,4 Prozent einen erheblichen Anteil. Vorstand und Aufsichtsrat von Ceconomy empfehlen den Aktionären, das Angebot anzunehmen.

„Dank des großartigen Einsatzes und Engagements unseres gesamten Teams agiert Ceconomy aus einer Position der Stärke“, betont CEO Kai-Ulrich Deissner. „Aber Stillstand ist keine Option. Wir wollen den Wandel im europäischen Handel nicht nur begleiten, wir wollen ihn weiter anführen. Dafür ist JD.com der richtige Partner.“

Chancen für Ceconomy – und für chinesische Marken

Für Ceconomy ist das Angebot ein Befreiungsschlag. Nach Jahren sinkender Margen und scharfer Konkurrenz durch Amazon und andere Onlinehändler eröffnet JD.com Zugang zu moderner Technologie, starker Logistik und frischem Kapital. Die Experience-Electronics-Strategie, die den Wandel vom Produktverkäufer zur Serviceplattform vorsieht, soll damit deutlich schneller umgesetzt werden.

Die Prognosen sind ehrgeizig: Bis 2026 will Ceconomy ein EBIT von 500 Millionen Euro erreichen und jährlich 200 Millionen Euro freien Cashflow erwirtschaften. Schon heute verweist das Unternehmen auf zehn Quartale in Folge mit Wachstum und eine EBIT-Steigerung von 47 Prozent gegenüber dem Geschäftsjahr 2021/22.

Mit dem Einstieg von JD.com dürfte sich auch das Sortiment verändern. Gut möglich ist, dass chinesische Marken künftig stärker in den Märkten präsent sind. JD.com pflegt enge Beziehungen zu Herstellern wie Xiaomi, Huawei, DJI oder Midea, die in Europa längst vertreten sind, aber noch nicht flächendeckend in den Filialen. Für Kunden könnte das mehr Auswahl und attraktive Preise bedeuten, für europäische Anbieter jedoch verschärften Wettbewerb um Regalflächen und Sichtbarkeit.

„Gemeinsam mit dem Team werden wir die Fähigkeiten stärken, indem wir unsere Expertise bei Technologie, Omnichannel-Handel und Logistik einbringen, um die laufende Transformation von Ceconomy zu beschleunigen“, sagte JD.com-CEO Sandy Xu. „Unser Ziel ist es, die Plattform in Europa weiter auszubauen und langfristigen Wert für Kunden, Mitarbeiter, Investoren und lokale Gemeinschaften zu schaffen.“

Garantien und offene Fragen

Die Vereinbarung enthält konkrete Zusagen: drei Jahre lang keine betriebsbedingten Kündigungen oder Standortschließungen, Wahrung der Tarifverträge und Mitbestimmung im Aufsichtsrat. Für fünf Jahre sind keine Änderungen an Markenarchitektur und Management vorgesehen. Eine Beherrschungs- oder Gewinnabführungsvereinbarung ist ausdrücklich ausgeschlossen.

„Die Partnerschaft ist eine Anerkennung für den erfolgreichen Weg, den Ceconomy eingeschlagen hat“, erklärte Aufsichtsratschef Christoph Vilanek. „Mit der Unterstützung von JD.com wird Ceconomy seine Experience-Electronics-Strategie noch effektiver umsetzen können. Das ist im Sinne unserer Kundinnen und Kunden, denn gemeinsam entwickeln wir die Fähigkeit, sie ganzheitlicher und schneller zu beliefern.“

Doch die Zusagen sind befristet. Schon heute fordern Gewerkschaften wie Verdi, JD müsse soziale Verantwortung übernehmen und auch nach Ablauf der Fristen Beschäftigung und Standorte sichern. Hinzu kommen regulatorische Hürden: Die EU-Kommission wird die Übernahme prüfen – nicht nur kartellrechtlich, sondern auch mit Blick auf außenwirtschaftliche Interessen. Der Abschluss ist für das erste Halbjahr 2026 geplant, danach soll Ceconomy von der Börse genommen werden.

Geopolitische Dimension

Über die Unternehmenszahlen hinaus hat die Transaktion Signalwirkung. Mit Ceconomy übernimmt ein chinesischer Tech-Gigant erstmals eine zentrale Plattform des europäischen Einzelhandels. Für Europa ist der Deal ein Balanceakt. Einerseits bietet er die Chance, einen angeschlagenen Handelsriesen zu modernisieren und den Kunden ein besseres Einkaufserlebnis zu ermöglichen. Andererseits wächst die Abhängigkeit von einem Akteur, dessen Prioritäten und politische Anbindung in China liegen.

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